Alltag in der MEGU Leipzig

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Thilo.K
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Alltag in der MEGU Leipzig

Ungelesener Beitragvon Thilo.K » Sonntag 24. Oktober 2010, 21:02

Wie ich schonmal erwähnt habe,bin ich vor einigen Jahren an das Schichtbuch der Abteilung Formerei im
ehemaligen VEB Metallgußwerk Leipzig rangekommen.Dargestellter Zeitraum:1988-Ende 1989.Ich war selbst war dort (jetzt Halberg-Guß)
von Ende 2007 bis Ende 2008 als Leiharbeiter tätig.In der Formerei werden die Gußformen der jeweiligen Sortimente abgeformt
(Kastenformerei).Im Rahmen einer Reinigungsaktion in den Weihnachtsfeiertagen fand ich dieses Buch und man überließ es mir,da
es ja sowieso keinen Nutzen mehr erfüllte.In den Feiertagen,z.B. Ostern,Weihnachten (Betriebsruhe) usw. gab es immer eine GR,
mit bestimmten Punkten,die abgearbeitet werden mußten von den Schlossern.
In diesem Werk,welches komplett aus Japan gekauft + ab 1983 aufgebaut wurde,wurden unter anderem Wartburgblöcke (Zweitakt),
VW-Lizenzblöcke,Bremstrommeln,Krümmer,Kupplungsgehäuse,L60-Achsbrücken (hinterrad.-u. allradgetriebene Typen),L60-/W50-/ZT300-
Blöcke und in der Alu-Gießerei die Wartburgköpfe(auf alle Fälle Zweitakt) gegossen. Die Schaltgabeln des Wartburggetriebes kamen
auch aus Leipzig.
So und hier ein paar Anekdoten...(Namen so gut wie möglich unkenntlich gemacht).
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Beweis das die VW-Blöcke mindestens ab Juni 1988 gegossen wurden.Sie wurden nur als VW bezeichnet,kein AWE oder AWZ o.ä.
Die beschriebene Modellplatte ist das Negativ der gepressten Sandform,die den äußeren Konturen eines Zylinderblocks entspricht.
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Hier sollten nur bestimmte Kerne für die Form verwendet werden (Kern= aus Sand gepresste bzw. gebrannte u. getauchte
"Gebilde",die den Motorhohlräumen entsprechen ( z.B.Zylinderbohrungen/Kühlwasserräume/Kurbelgehäusehohlräume).
Bezeichnung der Kerne: z.B. Wasserleisten,Wassermäntel,Kurbelhäuser...alles zusammen ergibt das Kernpaket.
IMG_0003_NEW.jpg

Jedes Sortiment hatte eine werksinterne Identifikationsnummer.Hier das Kurbelgehäuseunterteil des Zweitakt-Wartburgs.
Dieses wurde auf der kleinen Anlage gefertigt (Anlage B) - 4Stück pro Formkasten,außerdem Bremstrommeln u. Krümmer
- in heutiger Zeit werden auf der B-Linie alle Zylinderköpfe für Nutzfahrzeuge bzw. das ZKG des Typs VW 1.9 TDI (2 Stück
pro Kasten) gegossen.Also alles Gußteile aus Grauguß.PKW-Köpfe aus Leichtmetall kommen aus Saarbrücken,dem Stammwerk.
Dann gibt es noch die A-Linie.Auf dieser wurden die L60-Achsbrücken bzw. alle Nutzfahrzeugblöcke abgeformt bzw. abgegossen.
In heutiger Zeit werden dort Blocksortimente für Scania,Deutz,Iveco und JCB (Baumaschinen) gefertigt.
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Es gab aber auch viele Probleme,Havarien usw.
Und viel getrunken wurde anscheinend auch [Bier] .Diverse Eintragungen zeugen heute noch davon.In einer Gießerei,besonders im
Flüssigeisenbereich wie z.B Schmelzbereich völlig fehl am Platz.Ob persönliche Probleme eine Rolle spielten oder ähnliches
bleibt hier offen.
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Gruß Thilo
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Re: Alltag in der MEGU Leipzig

Ungelesener Beitragvon WartburgPeter » Sonntag 24. Oktober 2010, 21:10

Na das nenne ich mal eine Dokumentation der unerwarteten Art! :shock:
Wenn ich mich an meine Zeit in meinen ersten beiden Betrieben erinnere, in denen ich beschäftigt war, so kommt mir das sehr vertraut vor. Unseren Meister haben wir oft in der benachbarten Kneipe abholen müssen. {dance}
Beste Grüße
Peter

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Re: Alltag in der MEGU Leipzig

Ungelesener Beitragvon Warre 1000 » Sonntag 24. Oktober 2010, 21:43

Hast Du eine Ahnung vohin die Modellplatten gegangen sind? Geschrottet, im Dachboden im Leipzig oder sind alle Modellplatten zum Japan geschiffet?
Stig
Wenn man alles weiß, hat man sicher etwas missverstanden.

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Thilo.K
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Re: Alltag in der MEGU Leipzig

Ungelesener Beitragvon Thilo.K » Sonntag 24. Oktober 2010, 23:17

Nein,die sind w wie weg.Aber von den Anlagen her hat sich zumindest zu meiner Zeit dort wenig weiterentwickelt.Auch die Formkästen
waren noch die originalen aus Ostzeiten.Man bräuchte also nur die Modellplatten und los gehts wieder mit Warti,W50 und co... :shock:
Naja,Kerne bräuchte man dann doch noch.Wie´s ab 1990 ausgesehen hat,kann ich leider nicht sagen.Es lag dort übrigens auch noch ein
Schichtbuch von 1990 rum...Leider hab ich da wieder zu spät geschaltet. [smilie=hi ya!.gif]
Sicher ist nur,das der Betrieb Ende der 80er Jahre aus dem Kombinat Gisag ausgegliedert und ins IFA-Kombinat
Nutzfahrzeuge überführt wurde.Danach wurde der Betrieb umgewandelt in die Leipziger Fahrzeugguß-GmbH,dann später von der Halberg-Gruppe
aufgekauft.
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Re: Alltag in der MEGU Leipzig

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Montag 25. Oktober 2010, 07:15

Die GISAG in Leipzig konnte man auch Stadtweit hören : zu jeder Pause, Schichtbeginn und Schichtende wurde mit einer Schiffspfeiffe, die dampfbetrieben war, gehupt.
Dann baute man ein neues Kesselhaus und die Dampfpfeife war nicht mehr zu hören.
Der Kombinatsdirektor hiess Herr Marter.
Schnell erhielt der Haufen der abgeschlagen Gusssteiger den Namen " Marterhorn ".
Und der Schornstein des Kesselhauses wurde zum " Marterpfahl " ...
Die MEGU war ein Teilbetrieb der GISAG , früher hies der Betrieb LES - Leipziger Eisen - und Stahlwerk..
1986 war die Verschuldung so gross, das das Kombinat GISAG dem Kombinat BAUKEMA ( Magedeburg ) unterstellt wurde.
Das wurde im Kulturhaus " Arthur Nagel " unter Ausschluss der Öffendlichkeit angeordnet. Als Betriebsfunkmechaniker musst ich die tontechnische Seite absichern. Hätte ich nur ein Tonbandgerät mitlaufen lassen ...
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig
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