MZ und Tageslicht

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WABUFAN
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MZ und Tageslicht

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Dienstag 19. März 2013, 12:46

Hallo an alle MZ - ES / ETS / TS Besitzer,

die 6 V - LIMA der MZ ist bei Nachtfahrt absolut an der Leistungsgrenze.
Dabei sind folgende Daten wichtig :

Leistung der LIMA bei 6,0 V normal 60 W = 10,0 A und mit 50 % Überlastung 90 W = 15,0 A

Geht man von 90 W aus ergeben sich folgende maximalen Ströme ( P = U : I ):

6,0 V = 15,0 A
6,5 V = 13,8 A
7,0 V = 12,8 A
7,5 V = 12,0 A

Bei einer Reglerspannung von 7,2 V wären das dann maximal 12,5 A. Bei diesen Angaben ist die Erregerleistung der Feldwicklung und die Stromaufnahme des Reglers ( Spannungsspule ) berücksichtigt.
Diese Kennlinie versucht der Regler zu verwirklichen. Das nennt man nachgiebige Spannungsreglung. Leider regiert die Lichtmaschinenspannung mit jeder Stromerhöhung und erniedrigt die Spannung. So beugt man einer Überlastung der LIMA vor.

In meinen weiteren Betrachtungen nehme ich die Einschaltzeit der Zündspule zu 100 % an.
Die Zündspule hat einen Primärwiderstand von 2,5 Ohm. Bei 6 V fliessen durch diesen Widerstand 2,4 A und das sind 14,4 W.

Nachtfahrt mit der MZ bei 6 V LIMA - Spannung :

40,0 W Abblendlicht
5,0 W Rücklicht
2,0 W Standlicht vorne
2,4 W Tachobeleuchtung
14,4 W Zündung bei 100% ED
----------------------------------
63,8 W bei 6 V = 10,6 A

Da die LIMA aber 7,2 V liefert, steigt der Strom um den Faktor 7,2 V : 6,0 V = 1,2.

Nachtfahrt bei 7,2 V LIMA - Spannung :

57,6 W Abblendlicht
7,2 W Rücklicht
2,9 W Standlicht vorne
3,5 W Tachobeleuchtung
20,7 W Zündung bei 100% ED
--------------------------------------
91,9 W bei 7,2V = 12,8 A

Damit verbleibt zur Ladung der Batterie kein Strom.
Da man auch bei Tage mit Licht fahren muss, stellt sich die Frage, wie man es schafft, das nur am Tage der Hauptscheinwerfer leuchtet.
Standlicht, Rücklicht und die Tachobeleuchtung ergaben am Tag keinen Sinn.
Hier der etwas gekürzte originale Stromlaufplan :

MZ_Original.JPG

Nach meiner Idee wird der Scheinwerfer am Anschluss D+ / 61 der Lichtmaschine angeschlossen. An diesem Punkt liegt die Generatorspannung noch vor dem Rückstromschalter und der Stromspule im Regler.
Damit liegt der Hauptscheinwerfer direkt an der Lichtmaschine und wenn diese ausreichend dreht, leuchtet er.
Hierfür legt man ein neues Kabel mit 2,5 mm² vom Regler D+ / 61 zum Zündschloss. Es gibt zur Ladekontrolle schon so eine Kabel, aber da reicht der Querschnitt mit 0,5 mm² nicht.
Man benutzt zur Umschaltung Tagesfahrlicht / Originalbetrieb einen Umschalter. Dafür kann man den Gebläseschalter vom Wartburg 353 nehmen.
Das Kabel vom Zündschalter ( 56 ) zum Abblendschalter ( 56 ) wird an diesen Schalter am Mittelkontakt angeschlossen. Eine Stellung verbindet man wieder mit dem Zündschloss 56. Das ist die originale Schaltung.
Der andere Kontakt des Zusatzschalters wird mit dem neuen Kabel zum Regler verbunden.

MZ_Umbau.JPG

Rot eingezeichnet die Änderung / Erweiterung.
Mit dieser Beschaltung entfällt die Verringerung der Spannung bei hoher Belastung, da im Regler die Stromspule umgangen wird.

Das hat auch einen Nachteil :
Ist die Drehzahl der LIMA zu gering, dann geht der Scheinwerfer aus ! Gleichfalls leuchtet die Ladekontrolle mit voller Helligkeit.
Man muss auch bedenken, das die Erregung der LIMA sich um 2 ... 3 Sekunden verzögert.
Und muss man am Tage Lichthupe geben, dann wird für das Fernlicht der Strom der Batterie entnommen.
Dabei fliesst der Strom vom Zündschalter Anschluss 15 zum Lichthupenkontakt 15 und von dort zum Fernlichtfaden ( 56 a ) der Lampe.
Nachts könnte man das für mehr Licht auf der Strasse kurzzeitig nutzen ...
Weiterhin muss man beachten, das man Nachts auch mit der Stellung Standlicht des Zündschalters fahren kann. Tourt aber der Motor in den Leerlauf verlöscht der Scheinwerfer ! Das muss man unbedingt beachten.

Bei Tagfahrt und dieser Änderung ergibt sich folgende Bilanz bei 7,2 V :

57,6 W Abblendlicht
20,7 W Zündung bei 100% ED
---------------------------
78,3 W bei 7,2V = 10,9 A.

Damit verbleiben zur Batterieladung 12,5 A - 10,9 A = 1,6 A oder 11,5 W. Nach 14 Stunden Dauerfahrt wäre eine Batterie 6 V / 16 Ah vollaufgeladen ...

Da ich beim Verbrauch der Zündspule 100 % Einschaltzeit berechnet habe, wird der Verbrauch entsprechend dem Schliesswinkel geringer ausfallen.

Den Regler stellt man nach dieser Beschreibung ein :

http://www.wartburgpeter.de/te_lima4.htm

Viel Spass beim Nachbauen wünscht Andreas aus Leipzig
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig
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Dirk
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Re: MZ und Tageslicht

Ungelesener Beitragvon Dirk » Donnerstag 4. April 2013, 18:15

Das entspricht in etwa der MZ-Werksempfehlung, wie sie um 1985 im "Deutschen Straßenverkehr" veröffentlicht wurde. Nur ist da noch ein Relais verbaut. Fahre seit Mitte der 1980er Jahre mit dieser Modifikation und konnte keine Nachteile feststellen. Allerdings wird die TS150 nicht wirklich viel bewegt, dazu ist sie mir zu unbequem.
Viele Grüße
Dirk
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