Technisches Denkmal und Touristen-Attraktion in Thüringen
Alternativ-Titel: "Warum is'n dr Bügel nich in dr Midde?"
Die Oberweißbacher Bergbahn besteht aus zwei Abschnitten.
Die eigentliche Bergahn ist eine Standseilbahn.
Das Prinzip ist einfach: Die beiden aufwärts / abwärts verkehrende Wagen hängen an einem Seil und dienen zugleich als Gegengewicht. Die aufzuwendenden Kräfte sind daher relativ gering.
Die Bergbahn führt von Obstfelderschmiede nach Lichtenhain und überwindet einen Höhenunterschied von 320 Metern.
Abweichend von üblichen Standseilbahnen besitzt die Oberweißbacher Bergbahn einige Besonderheiten:
Die Bergbahn verfügt über einen normalen Bergbahn-Wagen, dessen Fahrgastraum wegen der Steilheit der Bahn eine treppenartig gestaffelte Bauform aufweist.
Als zweites Fahrzeug dient ein Plattform-Wagen, auf dem ein älterer Kleinbahnwagen befördert wird. Vermutlich stammt diese Konstruktion aus Zeiten, als noch Güterverkehr betrieben wurde. So konnte man auf dieser Plattform auch normale Eisenbahn-Wagen auf den Berg befördern.
In der Talstation gibt es zwei getrennte Bahnsteige, die diese sehr unterschiedlichen Fahrzeuge aufnehmen. In der Bergstation gibt es nur einen Bahnsteig.
An die Bergbahn schließt sich eine normalspurige, elektrische Kleinbahn an, die bis Cursdorf führt.
Die Oberweißbacher Bergbahn steht auch heute noch in Betrieb und wird von der Bundesbahn betrieben. Wie sehr sich inzwischen Modernisierungen bemerkbar machen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Alle Fotos: © Rolf Ebberg vom 26. Mai 1979, also tiefste Reichsbahnzeit...
Karte Oberweißbacher Bergbahn
Hier ein Ausschnitt der alten Kursbuchkarte.
Empfangsgebäude Obstfelderschmiede
Zugleich Bahnstation an der Schwarzatal-Strecke nach Katzhütte und Talstation der Bergbahn.
Gut, wenn gleich neben dem Bahnhof ein Schild mit den wichtigsten technischen Daten steht. Das erspart langweilige Erklärungen...
Plattform-Wagen trifft in der Talstation ein.
Bergbahn-Wagen in der Talstation
Plattform-Wagen in der Talstation
Rechts im Hintergrund ist eine kleine Drehscheibe zu erkennen, mit der auch Güterwagen auf die Plattform rangiert werden könnten.
Vermutlich wurden auch die Fahrzeugtransporte ins Ausbesserungswerk über diesen Weg vorgenommen.
Der Plattform-Wagen verlässt die Talstation
Technisches Detail
Die Achsen der Standseilbahn verfügen an einer Seite über Räder mit beidseitigen Spurkränzen. Die andere Seite ist mit einer breiten Lauffläche ausgestattet.
Die Weichen auf der Bergbahnstrecke haben feststehende Zungen.
Die beiden Fahrzeuge finden somit ihren Weg und fahren in der Ausweiche problemlos und sicher aneinander vorbei.
Begegnung in der Ausweiche in der Mitte der Bergbahnstrecke.
Bergbahn-Wagen beim Eintreffen in der Bergstation.
Die Station ist zugleich das Maschinenhaus mit den Seilbahn-Anlagen.
Aus irgendeinem Grund habe ich von dem Inneren keine Bilder. Entweder ich durfte nicht (möglich!) oder es war einfach zu finster...
Gleich neben der Bergstation in Lichtenhain steigen die Fahrgäste um in die elektrische Kleinbahn Auch hier wieder die Drehscheibe...
Abfahrt nach Cursdorf
Im Vordergrund links eine Umlenk-Rolle der Spillanlage zum verschieben schwerer Bahnfahrzeuge mittels Seilwinde.
In gemütlichem Tempo nach Cursdorf.
Besonderheit war die einfachste Fahrleitung.
Zum Einsparen bei der Fahrleitungs-Technik sind die Stromabnehmer seitlich versetzt angeordnet.
Haltepunkt Oberweißbach-Deesbach
Hier scheint die Abwesenheit jeder Hektik garantiert.
Man beachte auch das "Häusel" mit separatem Zugang für Männer und Frauen sowie dem hölzernen Sichtschutz...
Einzig die sehr hohen Bahnsteig-Kanten aus Beton sind nun überhaupt nicht "kleinbahnmäßig"!
Cursdorf
Die Lackierung der Fahrzeuge entspricht nicht zufällig dem Schema der Berliner S-Bahn. Das Ausbesserungswerk Schöneweide war auch Zuständig für die Fahrzeuge der Adhäsions-Strecke der Oberweißbacher Bergbahn.
Eine Frage hat sich aber inzwischen erübrigt:
Der Bügel ist heute "anständig" in der Mitte!
Noch zu DDR-Zeiten ist die Fahrleitung erneuert worden.
Ich vermute mal, dass die Fragen nach dem seitlich versetzten Bügel die Eisenbahner von Oberweißbach auf Dauer so genervt hatte, dass im Plan eine vordringliche Änderung Berücksichtigung fand...
Eigentlich schade! – Wie kommt man heute mit den Leuten ins Gespräch?
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