Tulpenrallye, Blumenpflücken in Holland? Eine kl. Übersicht

Interessante Geschichten rund um eine Rallye mit langer Tradition und vor allem mit Wartburgbeteiligung bis in die heutige Zeit...

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rallye311
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Tulpenrallye, Blumenpflücken in Holland? Eine kl. Übersicht

Ungelesener Beitragvon rallye311 » Samstag 12. April 2008, 14:05

Was ist die Tulpenrallye? Blumenpflücken im Holländischen Flachland?

Die Tulpenrallye ist eine 6-tägige Gleichmäßigkeitsrallye (Rallyestrecke ca. 2500km) für Oldtimer die nach den Regeln der FIVA (Federation Internationale Vehicules Anciens, http://www.fiva.org ) organisiert und durchgeführt wird. Neben einer Einteilung in verschiedene Baujahrsklassen ist die Hauptvorgabe für eine Gleichmäßigkeitsveranstaltung nach FIVA Regeln, dass die Durchschnittsgeschwindigkeiten unter 50km/h liegen. Es kommt also nicht auf die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten an! Übrigens, die Einhaltung dieser Regeln wird durch die Anwesenheit eines Sportkommissars überprüft der zusammen mit den anderen Teilnehmern Teile der Route mit abfährt und kontrolliert.
Doch nun mehr zur eigentlichen Veranstaltung. Seit einigen Jahren nun wird die Tulpenrallye an die früheren Ausgaben aus den 50er und 60er Jahren angelehnt. Viele Originalrouten werden wieder verwendet und die Rallye besteht aus Orientierungsaufgaben (dazu mehr in einem Punkt) und natürlich der zuverlässigen Zurücklegung einer vom Veranstalter festgelegten Strecke in einer festgelegten Zeit, bzw. mit einer festgelegten Durchschnittsgeschwindigkeit. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe von Sonderprüfungen, meistens 1 pro Tag. Diese finden zumeist auf abgesperrten Geländen statt, z. B. 4 Runden auf einer Gokartbahn, oder eine festgelegte Strecke auf dem Prüfgelände der DAF-Lastwagenentwicklung. Vor dem Start der Rallye bzw. der einzelnen Tage sind nur die Tagesziele bekannt, das Routebuch, mit dem man die Strecke selber konstruieren muss, wird erst am Start, wenn die Zeit schon läuft, ausgehändigt.
Schon einige Jahre startet die Rallye in Frankreich um so viele Berge wie möglich in die Route aufzunehmen, so auch im Jahr 2008. Die Gesamtstrecke der Veranstaltung beträgt ca. 2500km, eine Tagesetappe liegt also meist zwischen 320 und max. 450km. Gestartet wird im Minutenabstand, bei einer Teilnehmerzahl von knapp 200 bedeutet das 200min oder 3h und 20min, die die Organisatoren am Start oder auch an den einzelnen bemannten Routekontrollposten verbringen müssen! Mittags gibt es eine ca. 40 minütige Rast. Die Zeit die man im Auto verbringt liegt bei ca. 8-9h pro Tag.
Überprüft wird die Einhaltung der richtigen Route mit sogenannten Baumaffen und bemannten Route bzw. Zeitkontrollen. Diese werden auf einer Kontrollkarte eingetragen die man Morgens bekommt und abends wieder abgeben muss. Anhand von Abweichungen von der Idealzeit und von fehlenden oder falschen Routekontrollen werden dann Strafpunkte vergeben (auch dazu werde ich noch gesondert berichten).
In der Rallye selber gibt es drei verschiedene Klassen, die Expertklasse, die Sportklasse und die Tourklasse. Die Expertklasse wurde erst 2007 eingeführt um die Chancen für die „normalen“ Teilnehmer zu erhöhen. Diese Expertklasse ist verpflichtend für alle Teilnehmer die in den letzten fünf Jahren unter den ersten 20 der Sportklasse waren. Alle Klassen unterscheiden sich leicht in den Durchschnittsgeschwindigkeiten und teilweise auch in den Aufgaben, so gibt es z. B. 2008 erstmalig eine Nachtetappe für die Expertklasse. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten in der Tourklasse sind etwa 1-2km/h geringer, aber auch meist bei 43-47km/h. Zudem ist die Route in dieser Klasse insgesamt ca. 100km kürzer.
Zu der Unterteilung in die generellen Kategorien gibt es noch eine Einteilung in Hubraumklassen, meistens fällt der Wartburg aus Mangel an kleinvolumigen Motoren in die Klasse bis 1300cm³.

Welche Fahrzeuge dürfen teilnehmen?
Alle Automobile die vor dem 31.12. 1971 gebaut wurden sind grundsätzlich zugelassen. Allerdings braucht man zusätzlich noch einen FIVA Fahrzeugpass. Dieser Fahrzeugpass wird meist in Verbindung eines Deuvet-Passes erstellt und dokumentiert den Zustand und die Originalität des Fahrzeuges. So wird in den Papieren zur Erstellung des Passes z.B, der Motortyp, die Motornummer, die Art des Getriebes, die Lichtmaschine (Gleich oder Drehstrom), der Vergasertyp, Art der Bremsen..... festgehalten. Umbauten sind statthaft, wenn die Bauteile an gleichen Fahrzeugen der Reihe in einem Zeitraum von 8 Jahren verbaut wurden, ähnlich der Begutachtung bei der Abnahme zum H-Kennzeichen. Die Abnahme erfolgt durch einen Fahrzeugprüfer der Deuvet. Die Papiere bzw. der Fahrzeugpass ist dann 10 Jahre lang gültig.
Neben den Vorraussetzungen für das Fahrzeug gibt es auch noch einige Regeln bzw. Vorschriften für das Zubehör. So müssen ein Feuerlöscher, ein Abschleppseil und eine Folie zum Unterlegen für eventuelle Reparaturen an Bord sein. Außerdem dürfen nur mechanische Wegstreckenzähler benutzt werden, wie z.B. der Halda Trip bzw. Twinmaster. Elektronische Fahrradtachos oder Bordcomputer zur Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit, so wie Navigationssysteme sind strengstens verboten und es werden auch unangekündigte Kontrollen auf der Route gemacht um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren

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