Die Tulpenrallye 2008, Unser Erfahrungsbericht

Interessante Geschichten rund um eine Rallye mit langer Tradition und vor allem mit Wartburgbeteiligung bis in die heutige Zeit...

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rallye311
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Die Tulpenrallye 2008, Unser Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitragvon rallye311 » Montag 22. Dezember 2008, 16:01

Tulpenrallye 2008

Wie schon in den Jahren davor haben wir uns wieder zur Tulpenrallye 2008 angemeldet. Die Rallye startet in diesem Jahr in Annecy in Frankreich, dem Geburtsort der Tulpenrallye im Jahre 1948 und führt dann in sechs Tagen nach Noordwijk aan Zee an der Holländischen Nordseeküste.
Start ist am Montag, dem 5. Mai. Aufgrund der persönlichen und familiären Umstände schaffe ich es erst kurz vor der Tulpenrallye Zeit in das Auto zu investieren. Zum Glück hat mein Fahrer Wolfgang schon wichtige Arbeiten und Vorbereitungen erledigt. Trotzdem bauen wir 2 Tage vor der Abreise noch neue (gebrauchte) Antriebswellen, neue Radlager und Bremsbeläge vorne ein. Zusätzlich räumen wir das Auto ein und kontrollieren gleichzeitig ob auch alle Ersatzteile und Werkzeuge an Bord sind um eventuelle Reparaturen durchzuführen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern können und wollen wir uns nicht auf Servicefahrzeuge der Organisation verlassen da unsere Ersatzteile komplett unterschiedlich sind und so nehmen wir den zusätzlichen Gewichtsnachteil des sowieso relativ schweren Autos in Kauf.
Los geht es dann am Samstag, dem 3. Mai um 7:20 in Köln.

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Vor der Abfahrt


Wir fahren bei bestem, nicht zu warmem Wetter über die Autobahn Richtung Süden, durch die Schweiz nach Frankreich. Kurz vor dem Ziel erlauben wir uns eine kleine Pause und besichtigen die alte Brücke "Pont de la Caille". Die alte ehrwürdige Brücke ist 192 m lang und überbrückt ein 142m hohes Tal über die "Usses" seit ihrem Baudatum 1839. Leider ist sie nicht mehr befahrbar, aber dafür kann man sie zu Fuß überqueren.

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Pont de la Caille



Kurz später nach fast 800km Anreise erreichen wir gegen 17:00 unser Hotel und treffen uns dort erstmalig auf unsere Teamkollegen die einen roten Porsche 356, ebenfalls von 1961 fahren. Die Dritten Teilnehmer unseres Teams sind ein Holländisches Ehepaar und fahren ein Jaguar E-type. Wir verabreden uns zum Abendessen in der Stadt und nutzen die Gelegenheit die wirklich schöne Innenstadt zu besichtigen. Annecy besticht durch seine wunderschöne Lage Bergsee inmitten der Alpen.

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Promenade von Annecy



Am Sonntagmorgen ändern wir noch ein wenig die Vergaserbedüsung bevor es zur technischen Abnahme geht. Diese bestehen wir ohne Probleme und nun können wir endlich unsere Startnummer "163" auf dem Fahrzeug anbringen. Nach einem kleinem Sektempfang mit herrlichem Alpenpanorama auf der Terrasse des Hotels und vielen Gesprächen fahren wir zeitig zurück in unser Hotel da wir früh morgens starten.

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Terrasse mit Alpenpanorama in Annecy



Unter den 54 Teilnehmern der Tourklasse sind wir das einzige Fahrzeug mit einem 2-Taktmotor und sogar im ganzen Feld von 191 Teilnehmern das einzige Fahrzeug aus dem "Osten". Der einzige weitere Teilnehmer mit einem Zweitakter ist ein DKW 1000 S von 1962.

Am Montagmorgen lautet unsere Startzeit 7:41. Um den Teilnehmern ein bisschen Eingewöhnung zu bieten gibt es das Routebuch am Starttag 10 min vor dem Start. Nun geht das Einzeichnen in das Routebuch los, das erste Stück wird zum Glück mit "Chinesenzeichen" gefahren und erfordert nur wenig Aufmerksamkeit. Zudem kann man auch die restliche Route während der Fahrt einzeichnen. Der erste Teil der Route bis zur dritten Zeitkontrolle verläuft einigermaßen gut und wir sehen noch Schneereste am Fahrbahnrand.

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Schneereste in Frankreich


Leider biegen wir aufgrund eines Fehlers meinerseits falsch ab und fahren 3km in die falsche Richtung. Dadurch erfahren wir 5 Minuten Zeitverlust. Ungewöhnlicherweise kommen uns auf dem Bergpass direkt vor der dritten Kontrolle eine ganze Reihe Teilnehmer entgegen. Zuerst denken wir, dass ich etwas falsch in die Karte eingezeichnet habe, aber dann wird uns an der Zeitkontrolle gesagt, dass die Franzosen aufgrund des guten Wetters früher als geplant begonnen haben die Straße zu teeren und daß die Strecke gesperrt ist. Also müssen wir den ganzen 8km langen Pass (Col de la Croix-Fry) wieder herunterfahren und fahren insgesamt einen Umweg von ca. 40km. Leider ist auch der "Col du Pré augrund von Schneefall gesperrt, dies wurde aber rechtzeitig von der Organisation bekannt gegeben. Am Ende der Umleitungen gibt es dann auf 1650m Höhe auf dem "Col des Saisies" die erste Sonderprüfung auf einem von Schnee umsäumten Parkplatz. Hier müssen zwei Runden auf einem mit Pylonen abgesteckten Parcours gefahren werden, und da mein Fahrer schön weich fährt und vor den Kurven schön ausholt schaffen wir es sogar in der vorgegebenen Zeit. Nach der Sonderprüfung geht’s dann zur letzten Kontrolle beim Mittagessen. Wir sind ziemlich angespannt da wir nicht wissen wie mit unserem Umweg umgegangen wird, aber zum Glück zeigt sich die Organisation einsichtig und die Zeit wird neutralisiert. So können wir erst mal in Ruhe essen und nach der Mittagspause ohne Verspätung wieder losfahren, ist schon deutlich entspannter. Das Mittagessen findet in einem gemütlichen Restaurant etwas außerhalb der Olympiastadt Albertville statt. Direkt nach dem Mittagessen werden wir wieder mal ein wenig in die Irre geführt und wir fahren einen kleinen Umweg. Zum Glück finden wir wieder schnell den richtigen Weg und können die Fahrt fortsetzen. Der Nachmittag bringt neben weiteren üblichen Tricks noch eine Menge von Pässen: Col de Tamie, Col du Grand Cucheron, Col de Champ Laurent, Col de Chochette, Col de Marocaz, Col de Cluse…. aber die Trommel-Bremse hält sich gut und fängt nur einmal an zu riechen. Egal ob man Rallyes mag oder nicht die französischen Alpen sind einfach nur schön und die Straßen erinnern an alte Zeiten. Es gibt kaum Leitplanken, die Straßen sind relativ klein und es gibt wenig Verkehr. Zudem sind die Panoramen wirklich einzigartig und auch ohne Rallye sicher eine Reise wert.

Gegen 19:00 kommen wir dann endlich im Ziel am Hotel Mercure in Aix-les-Bains an.
Nach einem kurzen Umtrunk zur Erfrischung machen wir uns dann erst einmal auf den Weg zur Tankstelle und auf die Suche nach unserem Hotel, das ca. 5km entfernt liegt. Nach dem wir eingecheckt haben stellen wir angesichts der Tatsache dass der morgige Tag nochmals komplett durch die Alpen verläuft und das Pedal schon relativ tief steht noch die Bremse nach. Anschließend fahren wir nochmals in Zielhotel um zu Essen und alte Bekannte wieder zu treffen. Unsere Teamkollegen mit Porsche 356 und Jaguar E-type sind auch alle gut angekommen und da wir Morgen erst nach 10:00 starten können wir ein wenig die Stimmung genießen. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel wird wie eigentlich immer fleißig geschraubt und eingestellt. In diesen Momenten merkt man erstmal wie "anfällig" die Technik der alten Fahrzeuge ist, bzw. daß andere Hersteller auch nur mit Wasser kochen. Wir erfahren von anderen Teilnehmern dass an diesem Abend bis um 23:30 fleißig geschraubt wird. Insgesamt sind wir heute mit dem Umweg mehr als 400km in den Alpen gefahren und freuen uns schon auf das Bett.
Heute, am Dienstag, wird erst gegen 10:00 gestartet was uns natürlich etwas entgegenkommt. Das Wetter ist ein wenig bewölkt und nach einem Frühstück fahren wir zum Start. Dort sehen wir uns als erstes die Ergebnisse des Vortages an, von unten nach oben. Je weiter wir nach oben sehen müssen, so ungläubiger wir werden. Immerhin haben wir es auf den 2. Platz geschafft. Nach einem Jahr Pause und der kurzen Vorbereitungszeit kaum zu glauben. Allerdings steigt jetzt der Druck ernorm diese Position zu halten. Aus dem vergangenen Jahr wissen wir bereits, wie es ist nach einem ersten guten Tag wieder zu fallen. Nach einem kurzen Stück mit "Tulpenzeichen" werden wieder die Navigationskünste auf der Karte gefragt. Kleine weiße Sträßchen führen nordwärts und sorgen für viel Verwirrung da die meisten Kreuzungen einfach auf der vergrößerten 1:200.000 er Karte nicht eingezeichnet sind. Direkt nach der Routekontrolle "A" folgt eine Weile nichts und plötzlich taucht dann der Buchstabe "D" auf. Solche Tricks machen natürlich den Fahrer und vor Allem den Beifahrer nervös, da man immer denkt man hat eine oder zwei Kontrollen verpasst. Leider ist es uns mit dem Wartburg nicht immer möglich alle Möglichkeiten zu kontrollieren und so setzen wir unsere Fahrt fort.

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Unser Team vor einer Zeitkontrolle



Vorbei an Genf erreichen wir über mehrere schöne Pässe "la Chapelle d'Abondance", der Ort in dem das Lunch auf einer Höhe von 960m stattfindet. Direkt nach dem lunch geht es dann hinauf zur Schweizer Grenze bei le Corbeau. Die Grenze liegt genau auf dem Sattel des Passes in einer Höhe von 1369m ü. NN und auf der Strecke nach Monthey geht es wieder auf 508m. In diesen Momenten beneiden wir etwas die Fahrer mit ihren 4-Taktern und womöglich noch mit guten (innenbelüfteten) Scheibenbremsen. Unsere Bremse beginnt natürlich zu riechen und quietscht mittlerweile so fürchterlich wenn sie warm ist, dass sich die Cabriofahrer vor uns schreckhaft umdrehen wenn wir anbremsen. Aber der Bremsdruck bleibt stabil und wir kommen auch wohlbehalten unten an um dann natürlich wieder auf der anderen Seite des Tales hinaufzufahren. Nach der Zeitkontrolle auf dem "Col des Mosses" erfolgt die heutige Sonderprüfung auf einer Höhe von 1445m. Hier müssen auf einem abgesperrten Parkplatz mehrere Pylonen umfahren werden. Dieses mal sind wir 7 Sekunden zu langsam, aber wir haben das Auto heil gelassen und können mit den 7 Strafpunkten vorzüglich leben. Im Vergleich 1 min zu spät an einer Zeitkontrolle ankommen kostet 10 Strafpunkte, eine nicht gefundene oder falsche Kontrolle sind 100 Strafpunkte.
Vorbei an "Bulle" und "Fribourg" führt die Route dann weiter nördlich nach Lyss, zwischen Biel und Bern, wo das Ziel des heutigen Tages liegt. Dort angekommen bekommen wir von netten Damen eine Hauptsponsors die Frontscheibe gereinigt und können nun mit vollem Durchblick einen Parkplatz suchen. Durch die späte Abfahrt machen wir uns auch erst gegen 22:00 auf dem Weg in unser Hotel in Bern. Auf der Fahrt bemerken wir noch dass die Kühlwassertemperatur höher liegt als normal, kein Wunder wenn ca. 1l Wasser fehlt. Zum Glück bleibt es auch im weiteren Verlauf der Rallye bei diesem einmaligen Nachfüllen das ja bei einem alten Kühlsystem und Gebirgsfahrten mehr oder weniger normal ist. Nach einem Bierchen (in unserem Hotel ist die halbe Organisation untergebracht) mit zwei Zeitnehmern fallen wir erschöpft ins Bett da wir am nächsten Morgen wieder früh starten müssen.

Mittwoch, wie schon während der letzten beiden Tage ist das Wetter einfach schön. Bei angenehmen Temperaturen, mittags ist es um die 20°C warm, läst es sich einfach viel schöner als bei Regen oder Nebel fahren. Schon 2km nach dem Start im Ort findet kurz außerhalb des Ortes die Sonderprüfung auf einer Kartbahn statt. Dort müssen zwei Runden absolviert werden, wobei die zweite Runde schneller gefahren werden muß als die erste. Wir schaffen es nicht ganz und bekommen 6 Strafpunkte und wie wir später sehen werden schöne Bilder von den anwesenden Fotografen.

Im Anschluß an die Prüfung geht es dann über viele kleine Sträßchen nördlich in Richtung Frankreich.

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Gebirgsstraße in Frankreich


Leider sind wir am Morgen nicht besonders erfolgreich und verpassen drei Routekontrollen. Zudem interpretiere ich ein Haus, dass an einem Pfeil eingezeichnet ist falsch und so notieren wir uns einen Buchstaben der nicht für uns bestimmt war. Auch das kostet natürlich 100 Strafpunkte. Dafür besticht die Strecke durch eine besonders schöne Führung mit vielen kleinen idyllischen Straßen.

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Gebirgsstraße in Frankreich


Kurz vor dem Lunch passieren wir die Französische Grenze bei Lucelle um dann in Wahlbach zu Essen. Direkt nach dem Lunch geht es dann in die wunderschönen Vogesen, die sehr häufig in der Tulpenrallye befahren werden und auch in den Originalausgaben der 50er und 60er Jahren fast immer befahren wurden. Über den "Col du Hundsrück" (748m ü. NN) geht es nach "Willer-s-Thur", dann über Goldbach hinauf auf den "Grand Ballon". Hier gibt es auf dem Sattel in einer Höhe von 1424m ü. NN eine Zeitkontrolle. Hier kann man die Zeitnehmer wirklich nur beneiden, super Aussicht und schönes Wetter!

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Zeitkontrolle auf dem Grand Ballon



Leider haben wir nur wenig Zeit diese Aussicht zu geniessen und es geht weiter vorbei am Hundskopf über den "Col du Platzerwasel" auf den "Petit Ballon" der nur noch auf einer Höhe von 1267m ü. NN liegt. Über "Wasserbourg" und den "Col du Firstplan" geht es dann bis auf eine Höhe von ca. 200m ü. NN (Gueberschwihr) herunter, hier werden die Bremsen noch einmal richtig beansprucht. Von hier aus geht es dann mit dem Tulpensystem weiter nach Riquewihr wo wir durch die historische Altstadt fahren dürfen und mit einem Gläschen lokalen Weißwein empfangen werden. Der Nachmittag lief navigationstechnisch besser und wir bleiben im Gegensatz zum Vormittag komplett strafpunktfrei. Durch den schlechten Vormittag werden wir nur sechste im Tagesklassement und fallen damit auf einen 3. Platz, was wir allerdings erst am späten Abend erfahren.

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Stadttor von Riquewihr


Direkt nach der Ankunft widmen wir uns noch einmal der Bremse und stellen diese nach um wieder einen besseren Druckpunkt zu erhalten. Insgeheim denke ich schon darüber nach die Nachsteller vom 353 einzubauen, aber so viel Arbeit ist es ja auch nicht die Bremse nachzustellen, zudem sieht man noch mal kurz unter das Auto ob auch alles in Ordnung ist. Unsere Übernachtungsadresse ist im Nachbarort nur 2km entfernt und nachdem wir uns dort einquartiert haben können wir uns ein wenig der schönen Innenstadt und der Ankunft der anderen Teilnehmer widmen. Für die Teilnehmer der Expertklasse gibt es am heutigen Abend erstmalig eine Nachtetappe die allerdings ausschließlich im Flachland gefahren wird. Trotzdem haben wir alle Achtung vor den Teilnehmern dieser Klasse die sich direkt nach dem Abendessen wieder ins Fahrzeug begeben dürfen. Wir hingegen können das mehr als reichliche und gute Abendessen im Rathaus der Stadt genießen. Wie auch schon im vorigen Jahr ist das Essen hier eines der besten und umfangreichsten und wir lassen den Abend geruhsam ausklingen.

Am Donnerstag starten wir wieder erst etwas später was uns erlaubt ein wenig auszuschlafen. Nach dem Start geht es über die Haupstraße nach Ribeauvillé um wenig später auf Nebenstraßen auszuweichen. Die Strecke führt über Thannenkirch, den Col de Fouchy, den Col de Steige, und den Col de la Charbonniére weiter nordwärts. In der nähe von Bitche überqueren wir die Grenze nach Deutschland und nehmen ein Mittagessen in der "Eichelsbacher Mühle" bei Pirmasens ein. Leider verpassen wir Morgens zwei Kontrollen wovon eine Wendekontrolle. Wir erkennen zwar das die Situation auf der Karte nicht stimmt sehen aber beim vorbeifahren das man von hinten die Straße die auf der Karte eingezeichnet ist nicht anfahren kann. Da ich auch noch nie eine Wendekontrolle in der Tulpenrallye mitgemacht habe ist für mich die Situation klar und wir verpassen diese Kontrolle und merken dieses erst an der nächsten Zeitkontrolle. Leider können wir die Kontrolle nicht mehr nachtragen da kurz nach der Wendekontrolle eine weitere Kontrolle kam und somit eine Änderung der Bordkarte nicht mehr möglich ist.

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Zeitkontrolle: Austin Healey 3000, Wartburg 311, Triumph TR3, Porsche 356B


Trotzdem ist die Stimmung noch gut obwohl mittlerweile eine gewisse Müdigkeit eintritt. Am Nachmittag geht es dann weiter nordwärts. Das erste Stück wird mit Michelinkarten gefahren um dann auf topografische Karten zu wechseln. Wir fahren über viele kleine Straßen und kommen relativ spät abends im Ziel in Bad Kreuznach an. Kurz vor dem Ziel bekommen wir auch noch ein paar Schwierigkeiten den ersten und zweiten Gang zu schalten. Hier auf dem Hotelparkplatz können wir uns endlich der Sache widmen und stellen aber erleichtert fest das nur ein Stück Gummi in der Lenksäule verschlissen ist was wir aber schnell durch ein Stück passend geschnittenen Kühlwasserschlauch ersetzten. Nun haben wir uns aber wirklich ein Bierchen, natürlich auch der Wartburg, verdient. Aufgrund der räumlichen Nähe lassen wir heute das Auto auf dem Parkplatz stehen und laufen zu unserer Unterkunft in der historischen Altstadt, so dass wir beide etwas trinken können. Da wir auch nachmittags zwei Kontrollen verpasst haben verschlechtern wir uns im Klassement und fallen auf einen 5. Platz (11. Platz des Tages).


Heute, am Freitag geht es dann wieder früh los. Zum Glück bekommen wir etwas Frühstück, was um 6:30 leider keine Selbstverständlichkeit ist. Nach dem Start geht es mit Hilfe von "Chinesenzeichen" schnell aus der Stadt. Doch bereits 3km später beginnt das Kartenlesen. Heute wird nach verschiedenen topografischen Karten mit wechselnden Maßstäben gefahren.
Über viele kleine Straßen vorbei an Cochem, Kaiseresch und Mayen fahren wir durch die Eifel zum Mittagessen in Ettringen. Nach dem Mittagessen geht es dann ziemlich direkt zur Sonderprüfung des Tages auf dem Fahrsicherheitszentrum des Nürburgringes. Hier müssen zwei Runden gefahren werden. Als erstes geht es auf die Wasserfläche die eine schneeglatte Fahrbahn simulieren soll, dann ein Stück Slalomstrecke gefolgt von einem trockenen Kreisel. Die Zweite Rund muss 5 Sekunden schneller gefahren werden um strafpunktfrei zu bleiben. Mit der Zeit klappt es bei uns recht gut und wir sind insgesamt 6 Sekunden zu langsam. Leider bekommen wir durch ein Missverständnis zwischen Fahrer und Beifahrer ("Pylone rechts liegen lassen" wurde als rechts vorbei aufgefasst) weitere 100 Strafpunkte. Hier kann man wirklich nur sagen Übung macht den Meister. Die weitere Strecke des Tages führt uns dann weiter durch die Eifel nach Belgien. Südlich von Aachen passieren wir die Grenze und verlieren leider durch eine undeutliche Situation in Belgien Zeit auf einem Schotterweg nahe der Grenze. "Freundlicherweise" wurde in Belgien wieder nach Michelinkarte gefahren, ein Garant sich auf kleinen Wegen in Belgien zu verfahren. Zum Glück können wir einen Teil der Zeit wieder einholen und außerdem wird ein Teil der Zeitwertung neutralisiert da dass Verkehrsaufkommen in Belgien so hoch ist das der Schnitt nicht eingehalten werden kann. Nach der letzten Zeitkontrolle in Belgien geht es dann mittels Chinesenzeichen nach Maastricht in den Niederlanden. Hier liegt das Ziel in einer historischen Schlossanlage. Bevor wir das Abendessen genießen können stellen wir nochmals unsere Bremse nach. In der Tageswertung liegen wir auf dem Fünften Platz in der Gesamtwertung steigen wir auf den Dritten Platz.
Auf dem Weg zu unserem Hotel haben wir dann leider noch eine Begegnung der unangenehmen Art. Wir haben einen Unfall mit einem Radfahrer der zum Glück keine bleibenden Schäden davonträgt. Sichtlich mitgenommen und mit einem beschädigtem Auto kommen wir dann schließlich am Samstagmorgen um 1:30 in unserem Hotel an – Danke nochmals an die Hotelbelegschaft die so lange gewartet hat. Eigentlich war damit für uns die Veranstaltung gelaufen aber wir beschließen doch noch weiter zu fahren und nicht aufzugeben.


Nach wenig Schlaf und einem kleinen Frühstück in dem schönen Hotel erscheinen wir gegen 7:30 am Start. Am letzten Tag wird immer traditionell in der Reihenfolge der Klassierung des Vortages gefahren und so sind wir eines der letzten Teams der Tourklasse das startet. Zum Glück geht es erst mal 80km auf die Autobahn. Das erlaubt mir zumindest in Ruhe die Strecke in Ruhe in die Karte einzuzeichnen. Jedoch komme ich direkt mit dem Einzeichnen der ersten Situation nicht klar was sicherlich an dem Schlafmangel und an dem erlebten der letzten Nacht liegt. Zum Glück kann ich nach einem Gespräch mit unserem Teampartner den Fehler finden und korrigieren. Allerdings übersehe ich dabei einen weitern Fehler in der nachfolgenden Situation was uns eine verpasste Routekontrolle einhandelt die zu Allem Elend auch zweimal hätte angefahren werden müssen. Also 200 Strafpunkte. Ansonsten läuft es recht gut und wir bekommen nur weitere 36 Strafpunkte, 20 für zwei Minuten Verspätung und 16 für die Sonderprüfung auf einem Outdoorkartgelände. Die Route führt über viele topografische Karten im Maßstab 1:50.000 nach Oosterhout. Dort angekommen ist der größte Teil der Rallye geschafft, von hier aus muß nur noch das 106km entfernte Zeil Noordwijk erreicht werden. Auf dem letzten Stück gibt es dann keine Routekontrollen mehr und auch nur noch eine Zeitvorgabe somit kann der Veranstalter die abgegebene Kontrollkarte auswerten und die Klassierung ausrechnen. Wir sind erleichtert dass wir es hierher geschafft haben trotz aller Widrigkeiten und genießen den strahlenden Sonnenschein. Da wir uns des Fehlers relativ schnell bewusst werden rechnen wir mit einer Verschlechterung im Gesamtklassement machen uns aber aufgrund der ganzen übrigen Umstände keinen Kopf. Die Strecke nach Noordwijk verläuft dann großenteils über die Autobahn und erlaubt es erstmalig seit der Hinfahrt sich ein wenig im Auto zu unterhalten und die Woche und das Erlebte Revue passieren zu lassen. Gegen 14:00 kommen wir dann bei strahlendem Sonnenschein in Noorwijk am Grand Hotel "Huis ter Duin" an.

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Huis ter Duin in Noordwijk aan Zee


Leider weht ein etwas kalter Wind aber dafür sorgt er für einen strahlend blauen Himmel. Noch bevor wir die Zielrampe befahren werden wir von alten Freunden begrüßt. Ebenso bekommen wir vorher noch von "Frau Antje" ein Stück Käse überreicht bevor wir dann auf die Zielrampe fahren was immer wieder ein gewisses Gefühl von Stolz hervorruft. Kurz vorher erfahren wir noch dass wir wahrscheinlich den 2. Platz in der Tourklasse belegt haben, für uns in diesem Moment noch unvorstellbar.

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Ankunft eines Teammitglieds


Jetzt nach der erfolgreichen Ankunft gibt es erst einmal die Möglichkeit ein bisschen auszuspannen, einen Hering mit Zwiebeln zu essen, einen Korn zu trinken und das erlebte mit Freunden und anderen Teilnehmern zu teilen. Da wir bis zur Abendveranstaltung noch ein bisschen Zeit haben genießen wir das Meer bei einem Strandspaziergang bevor wir zum Umziehen in unser historisches Hotel von 1609 gefahren werden. Als wir dann gegen 19:00 zur Abendveranstaltung gehen hängen die vielumringten Klassierungen aus und unser 2. Platz bestätigt sich. Der erste Platz wurde von Vater und Tochter Brunet de Rochebrun mit einem Mercedes 280 SL (Pagode) belegt, der Dritte Platz von Frans Hijblom und Jean Paul van den Bliek mit einem Porsche 911T. Zusätzlich bekommen wir noch einen Preis für die Teamwertung da unser Team die wenigsten Strafpunkte eingefahren hat. Der Höhepunkt der Abendveranstaltung ist dann alljährlich das Einfahren des Gesamtsiegers in den Saal gegen Mitternacht. Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen und blicken auf eine erfolgreiche Woche zurück. Unser Wartburg hat uns ohne Probleme 3200km nach Frankreich und zurück gebracht und mit uns einen zweiten Platz eingefahren. So blicken wir zufrieden auf eine sehr gelungene und erfolgreiche Veranstaltung zurück und freuen uns schon aus die nächste Rallye 2009.
Weiter Informationen und Presseberichte zu der Rallye in gibt es unter http://www.tulpenrallye.nl .



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Gewinner der Tourklasse


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Die Lorbeeren für den Wartburg

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Re: Die Tulpenrallye 2008, Unser Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitragvon atomaschi » Montag 22. Dezember 2008, 18:29

Toller Bericht und sehr schöne Bilder! Und dabei haben wir auch gleich noch was übers Orientieren bei einer Rallye gelernt, oder wer konnte vorher schon was mit "Chinesenzeichen" oder "rechts liegen lassen" anfangen. :-| Meine Lust auf eine Rallye ist damit jedenfalls geweckt, auch wenn bis dahin noch viel Arbeit in meinen Warti investiert werden muss.

Danke rallye311
Jungs werden sieben - danach wachsen sie nur noch!

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Detlef Grau
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Re: Die Tulpenrallye 2008, Unser Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitragvon Detlef Grau » Dienstag 23. Dezember 2008, 23:36

Herzlichen Glückwunsch Daniel! Große Klasse! Man sieht, auch klassischer Motorsport ist eine tolle Sache! Danke für diesen wunderschönen bericht!
in diesem Sinne

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Oliver R.
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Re: Die Tulpenrallye 2008, Unser Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitragvon Oliver R. » Mittwoch 24. Dezember 2008, 18:23

Ein sehr schöner Bericht. Und als einzigstes Fahrzeug aus dem Ostblock ist es schon etwas besonderes an so einer Rallye teilzunehmen.
Weltkulturerbe WARTBURG; Reisetraum aus Eisenach


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