Solex statt BVF

Der spezielle Bereich für Vergaser und und ihre Tücken

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MichiMotorFreak
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Solex statt BVF

Ungelesener Beitragvon MichiMotorFreak » Mittwoch 29. November 2017, 15:48

Moin
Habe durch Zufall einen Solex Vergaser erworben der zum DKW3=6 gehört.
Von jeglichen Anschlussmaßen her, ist er identisch mit dem BFV 40, den ich nun fahre.
Ich möchte den Vergaser demnächst einfach mal anbauen um zu schauen was passiert.
Nun die eigentliche Frage. Hat jemand mit solchen Vergasern Erfahrungen? Möchte mir ja nichts kaputt machen.
MfG
Michi

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Re: Solex statt BVF

Ungelesener Beitragvon bic » Freitag 1. Dezember 2017, 01:26

Hallo Michi, was versprichst Du Dir davon?

Früher (und auch heute noch, wo es zutrifft) wurden die Vergaser immer von den Motorenherstellern in enger Zusammenarbeit mit den Vergaserlieferanten aufwändig auf den jeweiligen Motor nebst dessen Ansauganlage und dessen Einsatzbedingungen mittels Prüfstandsläufen und Fahrversuchen abgestimmt. Ändert man an dieser Abstimmung etwas (oder ändert sich diese z.B. durch Verschleiß) erreicht man in nahezu 100% der Fälle keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung des Betriebsverhaltens - wie Du ja selbst schon erfahren durftest. Verbrauch, Leistung, Abgaswerte, Ansprech- und/oder Startverhalten, irgend etwas bleibt dabei immer auf der Strecke. Lediglich mit den vom Hersteller dafür vorgesehenen "Schräubchen" kann man im auch vom Hersteller vorgesehen Rahmen eine letzte Feineinstellung vornehmen um z.B. gewisse immer vorhandene Toleranzen beim Motor, Ansauganlage oder dem Vergaser selbst auszugleichen.

Was meinst Du denn, was nun passiert, wenn Du nun einen auf einen völlig anderen Motor mit völlig anderer Ansaug- und Luftfilteranlage abgestimmten Vergaser bei Dir einbaust? Mit etwas Glück wird der Motor damit sogar starten, aber so vernünftig funktionieren, dass man damit auch genau so gut fahren kann wie mit dem Originalvergaser, wird er nicht.

Selbstverständlich kann man versuchen, den Solex auf den Wartburg abzustimmen - die Chance, dass dies gelingt ist sogar sehr groß. Allerdings ist hierfür schon ein etwas tieferes Verständnis der Verbrennungsgemischbildung und der Funktion und Technik von Vergasern erforderlich, dies insbesondere noch beim Zweitaktmotor, bei welchem die Verhältnisse noch schwieriger sind als beim Zuvieltakter. Es wird aller Voraussicht nämlich nicht reichen, lediglich ein, zwei Düsen zu wechseln, sondern auch Venturi, vor allem auch das Mischrohr und mit etwas Pech auch das Beschleuniger-, Leerlauf- und Startsystem werden wohl angepasst werden müssen um eine dem BVF gleichwertige Funktion zu erreichen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie der Vergaser auf die Pulsation im Ansaugtrackt reagiert, ggfls. wäre dann auch noch die Resonatoren im Ansaugtrackt auf den Vergaser abzustimmen. Das alles erfordet dann auch noch entsprechende Meß- und Prüftechnik, über welche wohl die wenigsten privat verfügen.

Falls Dich die "Geschichte" Vergaser dann näher interessieren sollte, kann ich das Vergaserhandbuch von Müller und Müller in der 4. Auflage von 1989 empfehlen (in dieser Ausgabe wird auf das Zweitaktproblem eingegangen) oder Du nimmst Dir einmal 5 Minuten und liest mal ab hier klick! An sonst schraub den Vergaser ruhig mal drauf und berichte was passiert ist. Achte aber darauf, dass der Motor nicht klingelt oder durch zu starke Abmagerung überhizt - also vorsichtig angehen, die Ohren gespitzt und die Kerzenbilder im Auge behalten. Ich wäre ja mal gespannt!
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Re: Solex statt BVF

Ungelesener Beitragvon MichiMotorFreak » Freitag 1. Dezember 2017, 08:28

Das von dir angesprochene Vergaserbuch werde ich mir mal besorgen. Finde die Dinger nähmlich hochinteressant.
Dann werde ich ihn einfach mal montieren, und so wie du sagtest, mit großer Aufmerksamkeit dem Motor lauschen.
Melde mich wieder, wenns denn soweit gekommen. Ist.
Ich bedanke mich für die Antwort.
MfG
Michi

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Re: Solex statt BVF

Ungelesener Beitragvon bic » Freitag 1. Dezember 2017, 14:12

MichiMotorFreak hat geschrieben:Das von dir angesprochene Vergaserbuch werde ich mir mal besorgen...

Das gibt es aber nur noch antiquarisch, z.Z. z.B. hier oder hier, aber Vorsicht, das Buch ist keine Bedienungsanleitung für den Vergaser abc oder xyz, sondern behandelt die theoretischen und praktischen Grundlagen und Probleme der Angelegenheit. Ergänzend hierzu kann ich dann noch den Artikel "Vergaserprobleme beim Zweitaktmotor" aus der KFT Nr. 3 und 4 Jahrgang 1958 und den Artikel "Über praktische Möglichkeiten zur Beeinflussung des Luftverhältnisses beim Zweitakt-Ottomotor" aus der KFT Nr. 11 Jahrgang 1969 ab Seite 326 empfehlen. Viel mehr gibt es auch nicht an fundierter Literatur bzgl. der Gemsichbildung am 2-Taktmotor.
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