Ausgleichsbehälter aus Messing

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Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Mittwoch 23. September 2015, 00:53

Schon seit Vorwendezeiten fahre ich in meinem F9 mit Erfolg einen 353er-Kühler. Um diesen ohne Ausgleichbehälter nutzen zu können, hatte ich den originalen Verschluß aus-, einen "normalen" Kühlerstutzen eingelötet und den Anschluß für den Schlauch des Ausgleichbehälters entfernt und verschlossen. Ein Manko ist jedoch der zu kleine obere Wasserkasten des Kühlers, denn dieser reicht nicht aus, die Volumenänderung bei Erwärmung des Kühlwasser aufzunehmen. Beinah nach jeder Fahrt muss ich daher Wasser nachfüllen, was zwar zur Betriebsanleitung von 1954 passt (vor Antritt jeder Fahrt ist die Kühlwassermenge zu kontrollieren), mir jedoch langsam über ist. Also werde ich dann doch einmal einen Ausgleichsbehälter nachrüsten.

Obwohl sich nun die Spritzwände vom 311/312 und F9 verdächtig ähneln, kann ich einen Ausgleichbehälter leider nicht analog der Ausführung im 312er einbauen, der Platz neben der Batterie ist wegen der weiter innen sitzenden Innenkotflügel und Haubenscharnier beim F9 nicht vorhanden. Möglich wäre es jedoch hier:

DSC05347.jpg

und so könnte es aussehen:

DSC05341.jpg

Da der Platz zwische Heizung und Haubenscharnier auch nicht gerade üppig ausfällt, kommt wohl tatsächlich nur der alte eckige Behälter vom 353 in Frage, ansonst habe ich bei den vielen, vielen verschiedenen angebotenen Behältern nichts geeignetes gefunden.

Schöner als der Kunsstoffkasten ist jedoch dieser Geselle

DSC05495.jpg

ein Messingbehälter der ersten Ausführung vom 312er (vielleicht auch erste 353?). Diesen habe ich von einem netten Forenmitglied erwerben können und auf den ersten Blick sieht er gar nicht so schlecht aus, wie angekündigt:

DSC05493.jpg

DSC05494.jpg

Bei näherer Betrachtung erkennt man jedoch einen wunderschönen Riß und zwei ominöse Lötstellen:

DSC05496.jpg
DSC05497.jpg

Um mir ein Bild vom tatsächlichen Schaden machen zu können und weil ich auch unter den Lötstellen auch Risse vermute, habe ich das ganze Ding erst einmal geputzt

DSC05499.jpg

und entlötet. Und siehe da, vom Lötzinn verdeckt war dies:

DSC05500.jpg

Mit dem Riß auf der anderen Seite:

DSC05498.jpg

wären es nun drei, welche zu reparieren sind.

Komischerweise ist allen Rissen gemeinsam, dass diese jeweils an den Außenkanten der Einprägung für das Spannband liegen. Ein Scheuern der Bänder als Ursache kann man jedoch ausschließen, derartige Spuren sind nicht zu erkennen. Auch Materialermüdung ist an diesen Stellen als Ursache kaum denkbar, hier hat sich zeitlebens nichts bewegt und für eine übermäßige Oberflächchenkorrosion fehlen auch die Anzeichen. So vermute ich mal, dass die sogenannte interkristalline Spannungskorrosion für die Risse verantwortlich ist. Diese tritt an kalt verformten Messing auf (z.B. Tiefziehen), wenn durch die Verformung ungleichmäßig verteilte innere Spannungen im Material entstehen, welche unter Mitwirkung von Korrosionsmittel in Folge zu eben solchen Rissen führen. Aber egal, reparieren muss ich dies auf jeden Fall, wie - da mach ich mir nun erst einmal Gedanken.

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Donnerstag 24. September 2015, 20:36

So, nun bin zu einem Entschluß gekommen, wie ich den Behälter wieder dicht zu bekommen gedenke. Wenn man es denn richtig ordentlich machen wollte, müsste dieser eigentlich an der hartgelöteten Fügenaht der beiden Hälften aufgetrennt, dann ausgebeult und die Risse mitels mit Hartlot eingepunkteten Blechen unterlegt werden. Dann wären die beiden Häften wieder hartzulöten und die Rissen von außen mit Weichlot zu verschließen. Da ich aber schon an der Wiederherstellung der hartgelöteten Fügenaht mit meinem Gaskartuschenbrenner trotz 400er Rotenbachgases scheitern würde und die Anschaffung eines Autogenschweißsets extra dafür unverhältnismäßig wäre, werde ich es mit Weichlöten von außen versuchen - schließlich soll das Ding nicht "restauriert", sondern lediglich repariert werden.

Eine Kleckserei, wie die am Anfang entfernten Lötstellen kommt natürlich nicht in Frage, um die Risse dauerhaft dicht zu verschließen ist schon eine Verstärkung nötig. Daher erst ein Blech kanten, welches die Rissbereich großzügig abdeckt

DSC05505 (1).jpg

die Risse sicherheitshalber verbohrt

DSC05502 (1).jpg

Beulen soweit es geht von innen herausgedrückt (es ging schon Einiges, auch wenn man es auf den Bildern nicht so sieht)

DSC05503.jpg

und dann den zu lötenden Bereich und den Blechflicken unter Zuhilfenahme von Fittinglot-Flußmittel und der Zugabe von etwas extra Zinn verzinnt:

DSC05512.jpg

DSC05509.jpg

DSC05514.jpg

Das Blech hat noch drei "Ausgleichsöffnungen" bekommen und das Schwarze auf dem Bild ist das Flußmittel, welches sich problemlos mit Wasser abwaschen lässt, was man auch vor dem nächsten Arbeitsschritt tun sollte.

Dann den Blechflicken an Ort und Stelle gelegt und unter leichter Druckausübung mit dem Behälter verlötet (Schraubenzieher o.ä zum drücken - habe aber leider keine drei Hände um dies fotografieren zu können):

DSC05515.jpg

Als nächstes den Flicken mit einer Schraubzwinge unter mäßigem Druck fixiert, die Spalte zwischen Flicken und Behälter auf ein Minimum verringert

DSC05516.jpg

und rundherum mit reichlich Zinn verlötet:

DSC05517.jpg

Als Flußmittel eigent sich jetzt säurefreies Lötfett und reichlich Zinn ist erforderlich, damit alle Fugen und Spalte wirklich voll Zinn laufen. Das dies erfolgt ist, kann man dann annehmen, wenn das Zinn aus den Ausgleichsöffnungen austritt. Was an Zinn nach dem Löten zu viel ist, kann man mit einem um den Finger gewickelten und in Lötfett eingetunkten Lappen abwischen, wenn man das Zinn bis kurz vor dem völligem Verflüssigen erwärmt (sogenannte Schmierlötung - man sollte aber schnell sein :shock: ). So sieht dies dann aus:

DSC05518.jpg

Alle Spalte zu und das überflüssige Zinn weitgehendst entfernt. Nun noch etwas verputzen

DSC05521.jpg

und die eine Seite des Behälters ist repariert.

Das Blech verstärkt übrigens enorm, ein Eindrücken des Behälter -wie vorher- ist nicht mehr möglich, sicher nachher auch im Betrieb ein Vorteil, da Druckschwankungen dann kein Ein- und Ausploppen der Behälterwände verursachen können. Im eingebauten Zustand decken dann übrigens die Haltespangen die Reperaturstelle weitgehend ab, so dass diese nach entsprechender Lackierung kaum auffallen wird:

DSC05522.jpg

So, nun noch die zweite Seite löten, dann eine Innenreinigung, abdrücken, eventuell noch einmal nachlöten, lackieren und fertig. Bisher habe ich insgesamt zwei Abende gebraucht, zwei werden wohl noch einmal dazu kommen. Im Ergebnis habe ich dann aber einen (hoffentlich) dauerhaften Ausgleichbehälter und dies mit erträglichen Reparaturaufwand erreicht.

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Montag 28. September 2015, 23:38

Nachdem ich nun auch die zweite Seite des Behälter mit einem Flicken versehen habe, das Teil mit meiner etwas primitiven Methode abgedrückt:

DSC05523.jpg

und hierbei auch gleich den Behälter ausgebeult und das Ventils getestet:

DSC05524.jpg

Das Ergebnis: meine Flicken sind dicht und auch nicht beim Ausbeulen abgerissen, das Ventil funktioniert zumindest erst einmal grundsätzlich (bei welchem Druck muss ich später mit dem Kompressor testen) aaaaaber - zwei von mir bisher nicht erkannte Spannungsrisse haben sich aufgetan:

DSC05525.jpg

Dieser und analog dazu einer auf der anderen Behälterseite. Also dann noch einmal, bohren, Flicken anfertigen, verlöten. Sicherheitshalber werde ich gleich alle vier Übergänge der Sicken zum Außenradius verstärken. Ich hoffe dass es das dann auch war, treten noch mehr Risse auf, fliegt das Teil in den Buntmetallschrott.

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon manuel311 » Mittwoch 4. November 2015, 23:25

Sieht schon schön aus , mit dem Blechstreifen hat Du das ja schon mal optimal gelöst .
mit den Rissen an den Ecken wird ja leider komplizierter .
Nur mal so als denkanstoß :
Könnte mann nicht Notfalls den Behälter mit einem hitzebeständigen /flexiblem kunstoff ausgießen ?
drücke dir auf jeden Fall die Daumen da du den dicht bekommst.....

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Donnerstag 5. November 2015, 00:40

Hallo Manuel, eine großartige Hitzebeständigkeit wäre nicht einmal erforderlich, denn das Teil ist ja nicht durchflossen. Und sicher wird es auch Methoden geben, Behälter von innen mit Kunststoff zu sanieren, aber auch in Heimwerker-Manier? Mir ist da kein geeignetes Verfahren bekannt, alles was ich in dieser Richtung kenne, ist für Großbehälter gedacht. Ich werde wohl beim Löten bleiben.

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Dienstag 21. Juni 2016, 00:18

So, nach nun fast einen halben Jahr Stillstand, geht es auch hier weiter - allerdings nicht mit dem Löten, denn dazu bin ich irgendwie noch nicht gekommen. Aber in Vorbereitung auf den Urlaub habe ich erst einmal die Halterung ins Auto gebaut und vorerst einen Kunststoffkameraden hinein gesetzt

DSC06379.jpg

DSC06381.jpg

denn ich bin es langsam Leid, nach jeder Tagestour Kühlwasser nachfüllen zu müssen, bei längeren Touren auch schon noch mal mittendrin. Der Wasserkasten des 353-Kühlers ist nämlich viel zu klein, um das sich bei Erwärmung ausdehnende Wasser aufzunehmen, das landete bisher alles auf der Straße. Nun funktioniert es aber tadellos, der Wasserspiegel im Ausgleichbehälter pendelt je nach Betriebstemperatur genau zwischen unterer und oberer Markierung und ich hoffe, durch diese Geschichte nun Ruhe zu haben.

Den Anschluß am Kühler habe ich aber abweichend vom Standard ausgeführt, denn ich hatte diesen vor einiger Zeit für den Betrieb ohne Ausgleichbehälter auf Bajonett-Verschluß umgebaut und dabei auch gleich den Anschlußstutzen für den Behälter wegrationalsiert. Da ich den Kühler nicht schon wieder umlöten wollte, habe ich nun um den Ausgleichbehälter anzuschließen, einfach den Überlauf am Bajonett verwendet:

DSC06384.jpg

Der Kühlerdeckel ist nun ein einfacher Verschlußdeckel ohne Ventil, aber mit Gummidichtung.

Wenn ich dann irgendwann einmal geschafft haben sollte, den Messingbehälter kpl. instandgesetzt zu haben, kann ich diesen dann einfach unter Verwendung dieses Zwischenstücks

DSC06385.jpg

gegen das Kunststoffteil tauschen. Dies habe ich auf jeden Fall vor, den irgendwie sieht mir der Plasticbehälter zu "modern" aus. Allerdings ist mir im Moment noch nicht klar, wie man in dem Messingteil den Wasserstand kontrollieren soll, wahrscheinlich spendiere ich diesem dann noch eine Flüssigkeitsstandanzeige. Dazu jedoch später mehr - wahrscheinlich in einem weiteren halben Jahr :shock:

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon AWE-Schuhbude » Dienstag 21. Juni 2016, 08:58

Das verstehe ich jetzt aber nicht: 353er Motor, 353er Kühler, 353er Ansauganlage, Barkas-Heizung im IFA F9 und dann sieht das Plaste-Ausgleichsgefäß (noch dazu die mittlerweile selten gewordene Ausführung) Deiner Meinung nach zu „modern“ aus… :?

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Re: Ausgleichsbehälter aus Messing

Ungelesener Beitragvon bic » Dienstag 21. Juni 2016, 09:46

AWE-Schuhbude hat geschrieben:Das verstehe ich jetzt aber nicht: 353er Motor, 353er Kühler, 353er Ansauganlage, Barkas-Heizung im IFA F9 und dann sieht das Plaste-Ausgleichsgefäß (noch dazu die mittlerweile selten gewordene Ausführung) Deiner Meinung nach zu „modern“ aus… :?

Jo, ist halt so.


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