Kummer mit Galvanik

Rahmen, Federn, Querlenker, Bremsanlage, Haupt- und Radbremszylinder, Handbremse, Reifen, Umbau

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Dirk
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Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Dirk » Sonntag 26. August 2012, 22:43

Hallo allerseits,

ich würde mich freuen, wenn Ihr ein paar gute Tips für mich habt. Ich hatte ein paar Teile (u. a. Achsschenkelbolzen, Innenhülsen der Achsschenkelbuchsen u. Kleinkram) beim Verzinken und gelb chromatieren (bei einer hier gelistete und empfohlenen Firma). Als ich das vor ca. 3 Jahren mit ähnlichen Teilen gemacht habe, war alles gut.

Nun wollte ich gesten und heute den ganzen Kram wieder zusammenbauen. Als erstes fiel mir eine stellenweise etwas pickelige Oberfläche auf. Als nächstes stellte ich fest, dass einige Gewinde recht stramm gingen. So stramm, dass ich teils schon die Gewinde nachgeschnitten habe und die neue Oberfläche dahin war. Nicht schön, aber man ist ja flexibel.

Als ich aber die Achsschenkelbolzen (natürlich gut gefettet) in die neu ausgebuchsten Schräglenker einsetzen wollte, ging gar nichts. Es fehlt stellenweise fast 1/10 mm, d. h. die Hülsen sind innen zu eng und die Bolzen zu stark. Den Effekt hatte ich bei den zuerst behandelten Teilen nie festgestellt. Damals waren Steckachsen von einem Anhänger dabei und es hat alles wieder so gepasst wie zuvor. Genaue Maße kriege ich mit meinem Heimwerkermesszeugs nicht hin, so dass ich nicht sagen kann, welches der beiden Teile das "kaputtere" ist.

Dann habe ich mal mit freundlichem Druck nachgeholfen und schon platzte die ganze Oberflächenvergütung in kleinen Krümeln ab. Das ging so stramm, dass ich Angst bekam, ob die jemals wieder raus gehen. Daher habe ich nach kurzer Zeit aufgehört und ihn wieder gezogen. Das Ergebnis seht Ihr hier:
Achsschenkelbolzen2.jpg
Die kleinen Krümel sind schon beim Einbau abgesplittert. Sehr seltsam...
Achsschenkelbolzen.jpg
Da kam wohl gleich die Beschichtung der Hülse auch mit raus...?


Hatte das von Euch schon mal jemand? Wie habt Ihr das Problem gelöst? Abdrehen? In Bohrmaschine einspannen und mit Schleifpapier per Hand was wegnehmen? Ich will den Schaden keinesfalls weiter vergrößern. Ich wäre auch etwas angesäuert, die Buchsen wieder aus den Querlenkern rausholen zu müssen.

Klar kann ich jetzt beim Galvanikbetrieb reklamieren, aber mir sitzt die Zeit im Nacken und ich kann nicht wieder 4-3 Wochen auf die Teile warten. Zudem sie mir offenbar 2 der 4 Achsschenkelbolzen runtergeschmissen haben, denn anders kann ich mir die zerkloppten Gewindeanfänge nicht erklären. Im Paket zur Galvanik hin lagen sie noch sorgsam einzeln verpackt.

Wie rette ich die Situation so, dass ich diese Woche noch fertig werden kann und ich mir trotzdem nicht auf lange Sicht "ein Ei lege"?

Danke und beste Grüße
Dirk
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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Martin Rapp » Sonntag 26. August 2012, 22:55

Auch wenn ich Dir leider nicht direkt helfen kann, setze ich hier mal ein paar Referenzfotos von mir rein, bei denen die Oberfläche in der Regel schön eben ist.
Galvanik02.jpg

Galvanik03.jpg

Galvanik04.jpg

Galvanik05.jpg

Ohne Dir Angst machen zu wollen, frage ich mich schon, wie lange die Beschichtung halten soll, wenn Sie Dir wie in Deinem Beispiel oben schon "abplatzend" entgegen kommt.
Nicht das die ganze Beschichtung schon jetzt für die Katz ist. :sad:

Gruß Maddin

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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Dirk » Sonntag 26. August 2012, 23:01

Danke, so hatte ich das von vor 3 Jahren auch noch in Erinnerung. Irgendwie scheint da der Prozess in der Galvanik gründlich schief gelaufen zu sein. Dabei habe ich fast 4 Wochen auf den ganzen Kram warten müssen. Da ich gesammelt habe und alles habe machen lassen, habe ich jetzt nicht mal Teile, die ich mal eben schnell einbauen kann, um das Projekt erst mal rollfähig zu machen. Es ist zum Verrücktwerden.
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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Thilo.K » Sonntag 26. August 2012, 23:06

Entweder oder.... Entweder reklamieren und in Kauf nehmen, daß wieder viel Zeit
verstreicht oder von Hand das Zeug geringfügig abschleifen und dick mit Graphitfett
schmieren. Dann gibts auch bloß keine Korrosion.
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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Wartburgbauer » Sonntag 26. August 2012, 23:09

Tja, schwierig.
Ich habe auch mal die Steckachsen von meinem Jawa-Mopped zum Blauverzinken mit abgegeben, und mir damit ein großes Ei gelegt. Die passten nicht mehr.
Ich bilde mir ein, dass ich die Teile in die Bohrmaschine gespannt hatte, die andere Seite in einem Kugellager geführt und den Bolzen mit Schleifpapier abgezogen habe. Aber genau weiß ich es auch nicht mehr.
Und auch beim gewaltsamen Montageversuch splitterte da nichts. Zink splittert nicht, Zink fließt.
Splittern kenne ich nur von Chrom- und Nickelschichten. Möglicherweise hing Dein Zeug mal im falschen Bad? :idea:

Runter den Mist, Bolzen mit (säurefreiem!!!!!!!!) Fett einsetzen, fertig. Oder eben erstmal zusammenbauen (nach entfernen der Schicht), und einen zweiten Satz Bolzen nochmal abgeben.
Oder gleich erstmal (zum Rollen) eine Gewindestange oder ein Stück Rohr/Rundstahl druchstecken, damit´s rollt.
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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Thilo.K » Sonntag 26. August 2012, 23:19

Ich selbst hatte besonders mit den Arbeiten der Firma OTR (da habe ich es machen lassen) keine
Probleme gehabt. Zweimal schickte Pakete ein. Das war 2010 und 2011.
Wobei ich sagen muß, daß diese Gelbverzinkung trotzdem nicht ganz so hochqualitativ
wie orig. DDR ist. Einmal eine Mutter wo auf eine Schraube gedreht und u.U. geht da
schon bischen von der Beschichtung ab. Außerdem hat die Oberflächenbeschichtung
an manchen Teilen gewisse Auswaschungen...
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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Tomtom » Montag 27. August 2012, 20:19

Dirk, das Kamel MUSS durch das Nadelöhr.
Ich würde mich nicht über den Galvaniker beschweren an der Stelle. Alles kommt in einen Topf und wird zusammen verarbeitet. Das Verzinken und chromatieren trägt durchaus einiges an Material auf...

Entgrate bitte mal die Buchsen und setze ein klein wenig mit der Rundfeile in den Buchsen nach. So nach Gefühl.
Dann passt es ;-)
So meine Erfahrung.
Hast Du einmal etwas Gutes gefunden, mußt Du es pflegen!

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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Schröni » Dienstag 28. August 2012, 09:12

Chromatieren ist auch nicht gerade gesundheitsfördernd (wegen dem hochkrebserregenden Chrom VI)... viele Betriebe bieten das deswegen auch nicht mehr an und die (moderne) Automobilindustrie verzichtet auch darauf.

Warscheinlich hat dein Galvaniker die Teile zu lange im Prozess gehabt... die Schichtdicke ist viel zu stark. Üblich sind 5 bis 8 µm - bei dir sieht es nach Faktor 10 bis 20 aus!!

einzig für mich wahre Lösung: zurück und neu machen lassen
der Optimist: es ist voll - der Pessimist: es ist leer - der Ingenieur: es ist doppelt so groß wie nötig

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Re: Kummer mit Galvanik

Ungelesener Beitragvon Dirk » Dienstag 28. August 2012, 17:23

Danke Euch allen für Eure Rückmeldungen. Übrigens, die Teile habe ich bei OTR bearbeiten lassen. Scheinbar hatten die nicht ihren besten Tag.

Ich werde nächste Woche mal 2 Achsschenkelbolzen einem Kollegen zum Vermessen weggeben. Wie ist denn das Sollmaß der Dinger? Ich tippe mal auf 14,00? Ist da eine definierte Passung mit den Buchsen festgelegt? Leider helfen mir hier weder meine diversen WHIMSe noch der Ersatzteilkatalog wirklich weiter. Zwei der Bolzen wird er mir mal ganz vorsichtig auf das Sollmaß abdrehen, mal sehen, wie die dann aussehen. Falls das noch nicht passt, werde ich ggf. die Buchsen mit einer Reibahle nachfummeln.

Zurück zu OTR halten vermutlich meine Nerven nicht aus. Ich zittere schon jedes Mal vor dem Transportrisiko und so viel Zeit, um wieder 4 Wochen zu warten habe ich auch gerade nicht. Wobei mir Wartburgbauer's Idee mit der Gewindestange erst mal die Rollfähigkeit und den Weiterbau gesichert hat. Danke!

Ich hatte aus meiner ersten OTR-Erfahrung etwa die Schichtstärken erwartet die Schröni beschreibt und optisch das Ergebnis, das Martin abgebildet hat. Diese pockigen Warzen auf der Oberfläche jedenfalls nicht. Mal sehen, was OTR dazu sagt.

In meiner Lehre wurden gelb passivierte Teile auch immer als "kadmiert" bezeichnet, wie AWE309 schreibt. Da man bei Robotron den Arbeitsschutz meiner Erfahrung nach sehr ernst genommen hat und wir über das übliche "Hände waschen" nie über Gefahren von Kadmium belehrt wurden (über andere Gefahrstoffe durchaus), gehe ich davon aus, dass es nur eine überkommene Bezeichnung ist, die man für gelb passiviert einfach weiter verwendet hat. Ich meine auch, dass wirklich kadmierte Teile eher einen grünlich gelben Schimmer haben, wie man ihn gelegentlich an Schrauben in historischen Flugzeugen erkennen kann. Aber das ist alles spekulatives Halbwissen...

Viele Grüße
Dirk
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