Bundbuchsen alt und neu

Rahmen, Federn, Querlenker, Bremsanlage, Haupt- und Radbremszylinder, Handbremse, Reifen, Umbau

Moderator: ZWF-Adminis

Jörg
Schleifstein
Beiträge: 122
Registriert: Montag 17. Juli 2006, 22:36
Mein(e) Fahrzeug(e): Wartburg 1,3
Wohnort: Lübz

Bundbuchsen alt und neu

Ungelesener Beitragvon Jörg » Sonntag 11. Februar 2007, 04:01

Hallo Wartburggemeinde, seit einem halben Jahr gehört zum meinem Fuhrpark ( Wartburg, Barkas, Trabant ) ein Wartburg 1,3 den ich als Winterauto nutze. Der Warti fährt problemlos ausser wenn es feucht und naß ist, aber so ein Wetter haben wir ja selten hier in Meck / Pom. Letztens klemmte an meinem Scheibenwischer , bei einem Besuch in Wismar, ein Schreiben auf dem stand ob Interesse an Teilen und an einem Wartburg bestehe, würde sonst alles zum Schrotthändel gehen.
Zwei Tage später wurde ein Termin vereinbart.
Der Wartburg ist ein 353 W Tourist Bj. 11.86 aus erster Hand , Farbe Ahorn Gelb mit Schiebedach und Ahk. Als ich das Auto sah war ich sprachlos, ein Familienmitglied auf das man 14 Jahre gewartet hat und nun nach 20 Jahren abgeben werden sollte (aber sehr ungerne). Dazu noch ein Kofferraum- und Baumarktanhängerinhalt an Teile. Handelseinig wurden wir uns bei 500 Euronen.
Überführungskennzeichen angebaut und ab nach Hause. Nicht ganz wenn man seine Frau als Begleiter mit hat, gut das es Tourist ist , da kann man ja gleich vier Pakete Katzensteu , Futtermören und ein keines Gewächshaus aus dem Gartenmarkt mit nehmen.
Nun aber und gleich zuhause auf die Hebebühne . Die Bremsen waren nicht so gut wie bei meinem 1.3 er, sollte auch später noch sehen warum.
Bei der ersten Durchsicht war zu meiner Freude nicht allzuviele Durchrostungen zusehen ( sollte sich aber ändern).
Der Innenraum ist bis auf die beiden vorderen Sitzbezüge ( Sitzfläche ) in
einem gutem ( sehr gutem) Zustand.
Da der Warti keine Hu mehr hatte und auch noch nicht hat, war die Hu erstmal das nächste Ziel.
Die Bremse von vorne bis hinten ansehen und ? Eigendlich austauschen.
Die Vorderachse und der ganze Unterboden war nach alter Tradition immer mit Öl/ Unterbodenschutzgemisch konserviert, was sehr locker war und darunter war Rost. Querlenker , Feder und Rahmen alles sah sehr rostig aus. Was machen sprach Zeus ....
Ich habe mich dann für die größere Rostbekämpfungsaktion endschieden, denn der Tourist ist immer noch ein Top Auto.
Nach zwei Tagen war der Vorderwagen komplett zerlegt. Dabei habe ich festgestellt das man die Kotflügel nur ? mit demontierten Türen anbauen kann.
Das ist eigendlich meine erste Frage, die drei Schauben zur Befestigung
an der A- Säule meine ich.
Zweite Frage . Wie werden die Türen ausgebaut, ( Der Gelenkstift oder die Schrauben)?
Dritte Frage. Die Bundbuchsen neue Ausführung sollen laut Teilehändler sehr rah sein , und im Forum hatte ich gelesen das man die alte Sorte, nach dem man die Aussenhülle aus Blech entfernt hat ,verwenden kann?
Hat einer mal den Härtegrad der Gummis verglichen, und ist er gleich?
Ich bin mir bei meinen Querlenkerlagern noch nicht schlüssig, die Führungshülse sitzt noch fest und auch in der Mitte , das Fahrverhalten war auch noch gut.
Traggelenke werden zwei erneuert und die Lenkung komplett neu ( war als E-Teil dabei).
Nach der Demontage der Kotflügel kam ein echter Schaden zum Vorschein. Der Federdom auf der Beifahrerseite ist sehr , sehr verrostet. Im Nachhinein bin ich um meine eigene Sicherheit froh das ich mich zu der Umfangreicheren Lösung entschlossen habe. Der Federdom hätte nicht mehr lange gehalten.
Nun kommt der Kampf mit der Radnabe.
Im Forum ist es sehr gut beschrieben , aber meine Radnabe ( Mitnehmerscheibe) wollte nicht. Wieder gelesen , was mach ich falsch?
Die Antriebswelle wollte auch nur mit dem Schlagschrauber und einer Mischung aus Barkas und Wartburgabzieher aus der Verzahnung, total festgerostet aber ab und heil.
Wieder im Forum gesucht wo ist der Nabenfesthalter versteckt.
Irgendwann hat mein F 8 Kollege gemeint das da nur die Fünfkilolösung was bringt.
Gesagt getan, die Bremsscheibe komplett zertürmmert , sollte eh neu , die Inbusschrauben mit der Rohrzange gelöst und abgeschraubt , nun viel der Schwenklagerhebel und das Schutzblech ab , das Lager blieb aber in der Nabe.
Das Lager an der Nabe vorbei, aufgeflext und abgemeiselt.
Aber die Nabe wollte immer noch nicht aus dem zweiten Lager.
Wieder die Marie bemüht, irgentwann kam die Nabe, in der Feinmechanik nennen wir das Kaltverschweißung. Der Rost ist nicht als rote/braune Aufblühung sondern als schwarze Verfährbung zu erkennen. Endmaße sind bei schlechter Pflege davon befallen.
Sollte die andere Seite etwa auch so sein ? Zum Glück habe ich noch zwei komplette Antriebe extra.
Aber die Drei hatte wohl zugesehen, bei der schweren Op vorher und ließen sich Lehrbuchmäßig auseinanderbauen.
Bei den Bremssätteln mühten wir uns auch sehr mit der Fettpresse ( Zweihebelpresse vom W 50) um die Kolben auszudrücken.
Alle acht Kolben von Rost angefressen , also Totalverlust. Da hab ich neue Bremssättel gekauft zu meiner Sicherheit.
Daher die schlechte Bremswirkung.
Auch neue Bremsschläuche und fast alle Bremsleitungen werden ausgetauscht. Die lange Bremsleitung (1,97m /neu 2,15m) kostet im Teilehandel von Güstrow 8 Euro.
Der HBZ wird auch ausgetauscht da er jetzt leicht zu demontieren ist, laut Forum soll das bei eingebauter Maschine auch nicht so leicht sein. Wenn ich das jetzt nicht mache , geht der HBZ naturgemäß als erstes kaputt. ( 21 Jahre und 153500km ?)
Auch die Benzinstahlleitung habe ich neu gekauft, 3 m = 16 Euro, bekommt man da wo es Mähdrescher und andere Landwirtschaftliche Geräte gibt. 10 mal 1 Hydraulikleitung.
Im Forum gibt es über die Benzinleitung und deren Beschaffung auch viel zulesen. Die Durchfußmenge bei Vollgas oder starker Beanspruchung muß genügend sein , der Querschnitt darf aber bei Unterdrucksystemen auch nicht zu groß sein.
Motor und Getriebe habe ich ausgebaut weil beides ölt, das Getriebe aus der Schale wo das Schaltgestänge sitzt, tropft es mächtig ( Kleine Bohrung )
Frage:Ist da ein Simmerring zum Getriebe oder etwas was abdichten soll?
In der Rep-Anleitung Seite 90 Bild G 108 ist das Abgebildet, ab nicht gut beschrieben.
Am Motor ist der erste Simmerring zu machen.
Vorne war ja nun alles auseinander gebaut, und wartet auf die bestellten Teile und den Zusammenbau, der Rahmen und Unterboden nach hinten war an einem Tag von der beschriebenen Mischung befreit.
Und die Seitenteile hinten? Der Vorbesitzer hatte mir gesagt das da Rost sei und er habe da mal den Tankeinfüllstutzen und das Zuflussrohr anders verlegt und eine Seitenverkleidung aus Hartpvcplatten eingebaut. Sieht so eingendlich ganz gut aus.
Wie gesagt, was machen prach Zeus? die Götter sind ...usw
Wenn das da genauso aussieht wie unter dem Kotflügel vorne ...?
Wieder das Forum bemüht, Seitenteile hinten abbauen. Auch die Alternative zur Befestigung der Seitenteile mit dem Rispenband ist gut beschrieben.
Also Seitenteil abbauen und die selbstgebaute Innenverkeidung , das Ergebnis war ein bequemer großer Durchblick vom Kofferraum in die Werkstatt. Auf der linken Seite ist die Seitenwand fast komplett weggerostet mit einem Teil vom Radhaus und der Halteschiene für den Kotflügel, auf der Beifahrerseite kann man sich mit viel Fantasie das Abtropfblech für den Tankstutzen und die Werksmäßige Einbaulage des Tankrohres vorstellen. Da sind nur noch Frackmente.
Meine Frage dazu , wie ist der Tankeinfüllstutzen werkmäßig eingebaut , es geht mir um die Erdung und der Statischen Aufladung. Ich möchte meinen Tourist nicht an der Tankstelle aufrauchen, so wie mancher Astrafahrer die Erfahrung gemacht hat, konnte dazu im Forum und im WWW nichts finden.
Ist eine Wichtige Sache.
Bilder von der noch nicht fertigen Aktion habe ich auch laufend gemacht und werden auch noch nach Vollendung nachgereicht.
Es ist jetzt 3Uhr 23 und die Augen werden kleiner.
Morgen /heute gehe ich dabei und muß das große Loch für die Standheizung in den neuen Kotflügel bohren , den die sollen Montag zum Lackierer.
Das ist ein langer Text gewesen , naja hab aber noch einiges vor mir,
Jörg, der den Festhalter von der Radnabe sucht.

Benutzeravatar
WartburgPeter
Camping-Tourist
Beiträge: 5564
Registriert: Donnerstag 19. Januar 2006, 21:10
Mein(e) Fahrzeug(e): Tourist 353W
Camping 312

Re: Bundbuchsen alt und neu

Ungelesener Beitragvon WartburgPeter » Sonntag 11. Februar 2007, 12:44

Besten Dank für Deinen umfangreichen Erfahrungsbericht. Ich hoffe, ich habe jetzt nichts übersehen und will versuchen, Antworten zu geben:

Jörg hat geschrieben:Dabei habe ich festgestellt das man die Kotflügel nur ? mit demontierten Türen anbauen kann.
Das ist eigendlich meine erste Frage, die drei Schauben zur Befestigung
an der A- Säule meine ich.

Wenn man etwas Geduld, und schlanke Finger hat, kann man die 3 besagten Schrauben auch seitlich reinfummeln. Man muß nur aufpassen, daß niemand die Tür bewegt, während man die Finger dazwischen hat. Ich habe das oft so gemacht.

Zweite Frage . Wie werden die Türen ausgebaut, ( Der Gelenkstift oder die Schrauben)?

Beim Trabant war das Austreiben des Stiftes oft die bequemere Art. Beim Wartburg kommt man aber ohne spezielle Werkzeuge/ Verlängerungen nur schlecht an die Stifte der Vordertüren heran. Hier empfiehlt es sich, die Scharniere vom Holm zu lösen, zur Not natürlich auch von der Tür selbst, wenn die Schrauben an der A-Säule unten so festgerostet sind...


Dritte Frage. Die Bundbuchsen neue Ausführung sollen laut Teilehändler sehr rah sein , und im Forum hatte ich gelesen das man die alte Sorte, nach dem man die Aussenhülle aus Blech entfernt hat ,verwenden kann?
Hat einer mal den Härtegrad der Gummis verglichen, und ist er gleich?

Der Vergleich kann nur Subjektiv sein, wenn überhaupt einer vorliegt. Die verfügbaren Gummis (sofern keiner neue hergestellt hat), sind inzwischen auch als "Neuware" älter als 17 Jahre. Und die, die komplett mit Blechmantel drum herum, sind mehr als 30 Jahre alt! Die Gummis aus dem Mantel zu schälen, würde ich nicht empfehlen. Für die neueren Querlenker sind lose Gummis tatsächlich leichter zu bekommen, als die alten.
Ich denke, daß die Härte beider Gummis identisch ist, da sie für das gleiche Fahrzeug mit gleichen Masse- und Fahrverhalten am gleichen Montageort gedacht waren.


Motor und Getriebe habe ich ausgebaut weil beides ölt, das Getriebe aus der Schale wo das Schaltgestänge sitzt, tropft es mächtig ( Kleine Bohrung )
Frage:Ist da ein Simmerring zum Getriebe oder etwas was abdichten soll?

Das Getriebe mit Lenradschaltung hat an der Schaltwelle oben einen Nullrung. Das Getriebe mit Knüppelschaltung verfügt über entsprechende Simmeringe und Filzringe unten.

wie ist der Tankeinfüllstutzen werkmäßig eingebaut , es geht mir um die Erdung und der Statischen Aufladung.

Die Schale mit dem Einfüllstutzen ist miteinander verschweißt. Über einen Blechstreifen ist die Schale (davorstehend links) an der Karosseriewand angeschweißt. Das gebogene Rohrende wird duchr die Karosseriewand gesteckt und ist mit selbigem ringsherum verschweißt. Anders als bei der Limousine, kann man somit das ganze Bauteil nicht mal eben abnehmen. Leider sammelt sich viel Dreck und Gras zwischen der Schale und der Seitenwand und sorgt für ein rostig feuchtes Klima, so das schnell alles vergammelt ist.
Elektrostatisch ist somit alles auf "Zwangsmasse" gelegt.
Beste Grüße
Peter

Benutzeravatar
Tobias Yello' Thunder
Erfurter Produktionsgenossenschaft
Beiträge: 4462
Registriert: Donnerstag 9. Februar 2006, 18:56
Mein(e) Fahrzeug(e): W353 Limousine Bj. '88, W353-1600i Tourist Bj. '10, QEK Aero Bj. '89, Leporello Bj. '91
Wohnort: Erfurt

Ungelesener Beitragvon Tobias Yello' Thunder » Sonntag 11. Februar 2007, 18:47

Hai Jörg

Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Da hast Du Dir ja ein schönes Stückchen Arbeit aufgeladen. Aber Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist: Touristen werden rar! Bald isser wieder'n Schmuckstück, und dann hast Du was feines, was nicht jeder hat.
Du hast hier auch eine entsprechende Menge Fragen abgeladen.
Daß ein Mitnehmer so scheixxxe aus der Radnabe rausgeht, habe ich noch nie erlebt (toitoitoi), aber die sitzen schon recht fest. Aber so "Kaltverschweißte" Teile kommen schon öfter vor, als einem lieb ist. Holger und ich können da Lieder über festgegammelte Kogelbolzen singen...
Im Gegensatz zu meinem Vorredner möchte ich meinen, daß es günstiger ist, die Bolzen aus den Scharnieren rauszufummeln - jedenfalls so lange, wie man die Türen weiterverwenden will. Das Einstellen der Türen bei entfernten Scharnieren kann nämlcih auch zu einer Lebensaufgabe ausarten, bei der man immer mal wieder so weit ist, daß man das Werkzeug und die Türen und alles andere nur noch aus dem Fenster schmeißen will...
Bei den Bundbuchsen bin ich mir auch noch nicht ganz sicher, wie das gehört. In einer "Oldtimer-Praxis" war letztens ein Bericht drinnen, wie man sich sowas selber herstellen kann. War glaub' ich irgend ein moderner Hightech-Gummipolymer.
Mit dem Federdom wird's sicherlich schwierig. Das ist Rahmen, und da schweißen wird nicht jeder machen können. Ist aber machbar.
Die leckende Schaltung (ich entlese Deinem Bericht, daß Du eine Knüppelschaltung hast) ist ein bekanntes Problem. Da ist ein Simmerring drinnen. Laß mich schnell mal nachschauen - zuerst ein Filzring, dann ein Wellendichtring 12x22x7 und dann ein Dichtring A26x32 nach TGL 0-7603 (Was auch immer in dieser TGL stehen mag - übrigens Danke an Peter, der mir diese Explosionszeichnung gemailt hat). Kann man eigentlich auf der Bühne ohne ausbau des Getreibes wechseln, muß man nud was zum Ölauffangen drunterstellen. Dann sollte es einigermaßen dicht sein. Da muß man seine Erwartungen an "dicht" wohl auch etwas an die Wirklichkeit anpassen...
Weiterhin viel Spaß wünscht

Tobias
Wartburg 353-1600i Tourist - die Bestie lebt!!!

Benutzeravatar
WartburgPeter
Camping-Tourist
Beiträge: 5564
Registriert: Donnerstag 19. Januar 2006, 21:10
Mein(e) Fahrzeug(e): Tourist 353W
Camping 312

Ungelesener Beitragvon WartburgPeter » Sonntag 11. Februar 2007, 18:53

Tobias Yello' Thunder hat geschrieben:...Im Gegensatz zu meinem Vorredner möchte ich meinen, daß es günstiger ist, die Bolzen aus den Scharnieren rauszufummeln - jedenfalls so lange, wie man die Türen weiterverwenden will. Das Einstellen der Türen bei entfernten Scharnieren kann nämlcih auch zu einer Lebensaufgabe ausarten, bei der man immer mal wieder so weit ist, daß man das Werkzeug und die Türen und alles andere nur noch aus dem Fenster schmeißen will...


Bei neuen, bzw. fremden Türen ist das Einstellen durchaus Erfahrungssache, wenn aber die eigenen wieder drankommen, hat man z.B. die alten "Farbmarkierungen", anhand derer man die Tür ganz schnell an der alten Stelle hat. Ich habe beides mehrfach praktiziert. Das geht...
Beste Grüße
Peter


Zurück zu „Rahmen / Fahrwerk“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste