Fragen zur hinterer Feder Wartburg 311 Limousine

Rahmen, Federn, Querlenker, Bremsanlage, Haupt- und Radbremszylinder, Handbremse, Reifen, Umbau

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berni
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Fragen zur hinterer Feder Wartburg 311 Limousine

Ungelesener Beitragvon berni » Montag 29. Januar 2018, 12:39

hallo Fachwelt,
bis vor einiger Zeit war ich Trabantbesitzer. Nun wage ich mich an den Wartburg heran.
Es ist eine Limousine aus 1959. Ich nehme an, das er aber eine 312er Karosse zu DDR-Zeiten
spendiert bekommen hat. Es sind die Löcher für die Stoßdämpfer vorhanden und verschraubt.
Nun habe ich hier im Forum den Beitrag von Euch über die Federn gefunden und gleich die meinigen mit
der Tabelle von bic verglichen. oh,oh.
Meine Hinterfeder hat schon mal 16 Lagen. von der kürzesten angefangen: 5,5,5,5,6,5,5,5,5,5,5,5,6,5,6,6 mm
starke Lagen. An den Enden, also unter den Miramidscheiben wurden Gummistücke untergelegt. Hab ich so
noch nie gesehen. Hat das Sinn? -nixwissen-
Ich vermute, das der damalige Eigentümer den Wartburg als Lastenesel mißbraucht hat. Das lichte Maß der
hingestellten Feder ist auch nicht 19 sondern 16.5 cm.
Kann mann die Feder im Bestand so lassen und nur aufrichten lassen oder empfehlt ihr den Um- oder Rückbau.
Bei der Vorderfeder sind keine Gummistücke unter den Enden. Diese hat aber auch keine Miramidscheiben und
entspricht der Tabelle.
Welchen Rat würdet ihr mir geben?

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bic
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Re: Fragen zur hinterer Feder Wartburg 311 Limousine

Ungelesener Beitragvon bic » Montag 29. Januar 2018, 23:28

berni hat geschrieben:Meine Hinterfeder hat schon mal 16 Lagen. von der kürzesten angefangen: 5,5,5,5,6,5,5,5,5,5,5,5,6,5,6,6 mm
starke Lagen. An den Enden, also unter den Miramidscheiben wurden Gummistücke untergelegt. Hab ich so
noch nie gesehen. Hat das Sinn? -nixwissen-
Ich vermute, das der damalige Eigentümer den Wartburg als Lastenesel mißbraucht hat. Das lichte Maß der
hingestellten Feder ist auch nicht 19 sondern 16.5 cm.
Kann mann die Feder im Bestand so lassen und nur aufrichten lassen oder empfehlt ihr den Um- oder Rückbau.
Bei der Vorderfeder sind keine Gummistücke unter den Enden. Diese hat aber auch keine Miramidscheiben und
entspricht der Tabelle.
Welchen Rat würdet ihr mir geben?


Ich habe das mal eben schnell überschlagen, Deine Hinterfeder ist deutlich strammer als die 59er Originalfeder mit 15 Lagen (denkt man sich die Gummizwischenlagen einmal weg). Damit sinkt das Auto leer um ca. 22mm und bei zulässiger Gesamtbeladung um ca. 36mm weniger ein, die Federrate beträgt 40,40 statt 32,58 N/mm. Dies ist zwar noch weniger als bei den Kombifedern, aber wenn Du keine Zementsäcke transportieren willst, brauchst Du so eine steife Feder auch nicht.

Die zwischengelegten Gummis sollten dann wohl die Härte der Feder kompensieren, dies gelingt insoweit auch, da damit zum einen die Federblätter auf einer großen Länge nicht mehr direkt aufeinander liegen und somit die Reibung (und Eigendämpfung) zwischen den einzelnen Blättern entfällt und zum anderen die vorgenommen "Verstärkung" der Feder z.T. wieder aufgehoben wird. Dies deshalb, weil eine Blattfeder einer in Streifen geschnittenen Trapezfeder entspricht, bei welcher die Streifen dann übereinandergelegt werden

Blattfeder_schichtung.jpg
By Christian Lindecke via Wikimedia Commons

wobei die einzelen Federlage auch wirklich unmittelbar aufeinander liegen müssen (damit dies auch sichergestellt ist, werden die einzelnen Lagen mit zunehmender Kürze immer ein Stück mehr gesprengt), weil an sonst das Federpaket nicht einer (geschichteten) Trapezfeder, sondern in etwa einer Reihenschaltung von Einzelfedern entspricht. Durch diese Reihenschaltung verringert sich dann jedoch die Federsteifigkeit wieder.

Es kann also durchaus sein, dass das Auto nicht als Lastesel mißbraucht wurde, sondern das man durch die Gummizwischenlagen die Feder bei gleicher Tragfähigkeit weicher machen wollte. Dies ist jedoch nicht zu empfehlen, da bei dieser "Konstruktion" die große Gefahr der Überlastung einzelner Blätter besteht, was dann zu deren Bruch führen kann.

Stattdessen würde ich Dir empfehlen, die Feder wieder zurückzubauen, daher die wohl unzweifelhaft vorhandene doppelte Lage (welche ist das eigentlich - mach doch mal ein Photo) und die Gummis zu entfernen. Dann lässt Du die Feder auf die 19cm aufrichten (aber nicht mehr, sonst wird der Einbau zur Qual), entrostest und lackierst diese und baust sie gut gefette (z.B. mit Förch Blattfeder-Spray) wieder zusammen und alles wird gut. Auf die Polyamideinlagen kannst Du verzichten, diese hatten lediglich die Aufgabe, das Einarbeiten der Blattenden auf dem drunterliegenden Blatt zu vermindern (dafür haben sie sich aber dann immer selbst eingearbeitet), obwohl ich neulich noch irgendwo welche bekommen habe (wo - -nixwissen- )

Die Vorderfeder würde ich bzgl. einer Aufrichtung aber in Ruhe lassen, wenn der Wagen hier vorher vernünftig stand. An sonst aber auch hier das volle Programm (reinigen, Farbe, Fett) und wenn Du diese dann noch in Gamaschen einpackst:

DSC05407.jpg

hast Du lange Jahre Ruhe - zumal ein Nachschmieren mit dem Feder-Spray durch die Löcher der Verschnürung ohne Weiteres und ohne Sauerei möglich ist.
Lieber Old School als gar keine Erziehung.

berni
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Re: Fragen zur hinterer Feder Wartburg 311 Limousine

Ungelesener Beitragvon berni » Mittwoch 31. Januar 2018, 07:42

guten Morgen,
und vielen Dank bicfür die schnelle und sehr ausführliche Antwort.
Das die Gummischeiben eventuell das bessere einfedern fördern sollen, hatte ich
auch schon im Hinterkopf. Aber so :idea: ?
Ich konter dach auch keine Mutter um sie dann doch etwas zu lösen.
Wie dem auch sei, so kann ja die Feder nicht bleiben, das ist klar.
Ich werde mir die Tabelle der Federn ausdrucken und damit zum Federschmied gehen.
Eine Doppellage gibt es nicht. Die einzelnen Federlagen sind fast konstant nach oben kürzer.
Ich hatte ja Bilder gemacht, erst ging es nicht da die Datei zu groß war, dann mit Paint stark verkleinert, ging wohl auch nicht, obwohl es so aussah das die hochgeladen wurde. Irgenwie was falswch gemacht. -roll-
Wenn die Feder dann fertig ist melde ich wieder zu diesem Fall

Grüße in die Runde
berni


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